Wiens große Weine

Foto: LammerhuberDass Wien weltweit die einzige Großstadt mit wirtschaftlich ernst zu nehmendem Weinbau ist, mag an den Böden ebenso liegen wie an der Topographie und am Klima, die den Wiener Winzern exzellente Voraussetzungen bieten, um große Weine zu produzieren.

Wien und große Weine?

Hörte man sich vor wenigen Jahren unter Weinkennern um, erntete man zu Wiener Wien ein verständnisloses Schulterzucken. Wien und Wein würden zwar auf eine lange gemeinsame Geschichte zurückblicken, doch das österreichische Weinwunder der 90er Jahre sei auf seinem Weg von der Wachau über das Burgenland in die Steiermark an Wien weitgehend spurlos vorbeigezogen, so der übereinstimmende Tenor, den nur die famosen Weine des Stammersdorfers Fritz Wieninger etwas leiser klingen ließen. Wiens Weingegenwart ist anders.

Zwar werden bei vielen Heurigen, vorsichtig formuliert, dem neugierigen Weintrinker immer noch einfache Qualitäten unter die Nase gesetzt. Doch die Phalanx des nur als Gspritzter genießbaren und erst dadurch einem Magengeschwür vorbeugenden Getränks aus vergorenen Trauben ist nachhaltig durchbrochen worden von Weinen aus den Rieden Wieningers, der Gebrüder Zahel, Michael Edlmosers oder des Weinguts Christ.

Natürlich müssten weitere Winzer genannt werden, die sich der Qualität verschworen haben. Aber die vier genannten Weingüter beförderten in den letzten Jahren den Wiener Wein in ungeahnte qualitative Höhen, von denen wir uns nur wünschen können, dass er von dort nicht mehr abstürzt. Das Winzerquartett zeigt, dass auf den knapp 700 ha Wiener Rebfläche Trauben reifen, die – mit Wissen und Einfühlsamkeit behandelt – zu vielschichtigen, hocheleganten und international reüssierenden Weinen vinifiziert werden.

Die vier Weingüter zeigen mit ihren Initiativen und ihrer programmatischen Verbundenheit zum „Gemischten Satz“ (Wein aus unterschiedlichen Rebsorten, aber aus demselben Weingarten), dass Tradition und Moderne im Wiener Weinbau einander nicht ausschließen, sondern, richtig miteinander kombiniert, eine atemberaubend gute Mischung ergeben, die jeden Weinfreund ins Schwärmen bringt.

Sie zeigen aber auch, wohin die Entwicklung des Weinbaus in unserer Stadt führen soll: weg von Massenware, hin zu Topqualität.

Manuela Maria Weixelbam

 

100 Jahre Weingut Cobenzl

Seit 1907 befindet sich das Cobenzl-Areal am Latisberg im Besitz der Stadt Wien. Heute bekannt als Weingut wurde hier anfänglich Ackerbau und Milchwirtschaft betrieben und die Wiener mit Milch sowie frischem Obst und Gemüse versorgt.

Bis in die 80er Jahre zeichnete sich der dort verkaufte Wein vorwiegend durch seinen reschen Charakter aus. Erst Ing. Thomas Podsednik, heute Gutsleiter und ausgebildeter Önologe, gelang der Umschwung.

Im „Salon Österreichischer Wein“, einer Selektion von 260 der besten Weine, stellte das Weingut Cobenzl 2006 mit dem 2005er Weiß-burgunder Mayor einen „Salon-Sieger“, der mit eleganter, charakteristischer Aromatik und viel reifer von Apfel, Quitte und Zitrusfrüchten durchdrungener Frucht überzeugte.

Beim diesjährigen Wiener Weinpreis gab das Weingut Cobenzl nicht nur seine edelsten Tropfen zum Besten (sechs Goldmedaillen), das städtische Weingut wurde mit seinem 2006er Weißburgunder Senator für den besten Weißburgunder des Landes ausgezeichnet.

Aufmerksamkeit erregten in den letzten Monaten diverse Neuerungen, wie der seit dem 19. 4. 2007 ans Netz geschlossenen Photovoltaik-Anlage, die pro Jahr rund 36.000 Kilowattstunden „Strom aus der Sonne“ liefert.

In der Schädlingsbekämpfung setzt man seit dieser Saison auf biologische „Waffen“. Der Traubenwickler, dessen Larven Knospen und Weinblüten fressen und sich in die Trauben bohren, wird mit Duftwolken „verwirrt“. „Die vorhandenen oder einfliegenden Männchen sind nicht mehr in der Lage, die Weibchen gezielt aufzuspüren und zu befruchten, da sie sich in der großen Duftwolke nicht mehr orientieren können. So unterbleibt der Raupenschlupf und die Weintrauben können ohne Schädlingsbefall heranreifen“, bemerkt Michael Groß, Geschäftsführer von biohelp.

Viele Gründe, die 100-Jahr-Feier am ersten September-Wochenende fulminant zu feiern, wenn nicht Diskussionen über den Ankauf von niederösterreichischen Weinen, die unter dem Cobenzl-Label verkauft werden, die Festivitäten überschatten würden.
Erich Valentin, der Vorsitzende des SPÖ-Umweltausschusses, erklärt dazu, dass „das österreichische Weingesetz Winzern erlaubt, Trauben für den Schankbereich zuzukaufen“, wenn bei Ernteausfällen in Wien keine Trauben mehr am Markt seien.

Weinanbaufläche:     32,0 Hektar
Weißwein:            70 %
Rotwein:            30 %
Flaschenweinverkauf: Mo–Fr 10.00–12.00, Mo–Mi 16.00–17.00, Do 15–16 Uhr
Sorten: Riesling, Grüner Veltliner, Weißburgunder, Goldburger, Chardonnay, Müller-Thurgau, Traminer, Gemischter Satz, Blauer Burgunder, Zweigelt, Blauburger, St. Laurent

Weingut Cobenzl
Am Cobenzl 96 1190 Wien-Grinzing
Tel.: 01 320 58 05
www.weingutcobenzl.at
Öffentlich erreichbar:
U4-Endstation Heiligenstadt, Bus 38 A Richtung Kahlenberg bis zur Haltestelle Parkplatz Cobenzl
Straßenbahn 38 bis Endstation Grinzing, Bus 38 A bis zum Parkplatz Cobenzl

„Der schöne Brauch, die Gläser beim Weintrinken klingen zu lassen, hat einen abergläubischen Ursprung: Im Wein ist ja nicht nur Wahrheit, sondern auch Teufel Alkohol, und vielleicht befürchtete man deshalb in dem Getränk ganz reale böse Geister, die es mit Ach und Geklirre zu verjagen galt.“
Zit. Walter Gerlach, Das neue Lexikon des Aberglaubens

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Treffpunkt Wein in Wien

Foto: Mauritius

Ab sofort gibt es für Weinliebhaber einen praktischen Führer mit den Adressen der 60 Wiener Winzer und jener Lokale, die Wiener Wein ausschenken.

Die Broschüre gibt es kostenlos im Büro der Umweltstadträtin unter 01 4000 81349, schriftlich unter kontakt@natuerlich.wien.at oder im Internet unter www.natuerlich.wien.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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