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Café Sperl

Was besucht ein Tourist, wenn er das erste Mal nach Wien kommt? Mit hoher Wahrscheinlichkeit das Schloss Schönbrunn, die Hofburg und die Staatsoper. Zweifellos beeindruckende Monumente vergangener Größe und Pracht. Die „Wiener Seele“ findet ein Besucher jedoch nur in einem altehrwürdigen Kaffeehaus, einem der wenigen Orte, in dem einer Dame noch die Ehre eines formvollendeten Handkusses zuteil werden kann.

Jakob Ronacher, der Bruder von Anton Ronacher wagte 1880, nach dem Bauboom der Ringstraßenzeit mit Hilfe von Entwürfen der Architekten Gross und Jelinek die Gründung eines Kaffeehauses. Er scheiterte und übergab es bereits Ende 1880 dem Cafétier Sperl, dem gleichzeitigen Namensgeber des Kaffeehauses.
Man ging nicht „zu (de)m Sperl“, sondern „in (da)s Sperl“.

Im Sperl wurde österreichische Kulturgeschichte „geschrieben“. Die Stammtischrunde „Siebenerclub“ gründete 1867 die Secession.
Im Sperl lebten Architekten, bildende Künstler, Musiker, Schauspieler, Sänger neben Heerführern und Politikern.

Um 1890 begeisterte die Operette das Wiener Publikum. Lewinsky, Girardi, Eysler, Millöcker, Lehar und Kalman gingen im Sperl ein und aus. Noch heute kann man sich auf die restaurierten Stammplätze von Franz Lehar und Emmerich Kalman setzen. Und bei einer Melange und Apfelstrudel die weltbekannten Melodien zum Klingen bringen.

1968 übernahm Manfred Staub das Sperl. Unter seiner Ägide erfolgte die behutsame Restaurierung des Sperl unter der strengen Aufsicht des Denkmalamtes.

Die Künstler kamen und gingen. Manche blieben. Pavel Kohout, Peter Henisch und viele andere lasen im Sperl. Den einen oder anderen treffen Sie heute noch bei Mokka und Zeitungslektüre. 

Nicht einmal Starbucks schreckt den Besitzer des Sperl. Er sieht es als Chance für die Jugend Kaffee kennen zu lernen. Vielleicht erscheinen sie irgendwann im Kreis der Karlsbader Party, einer Herrenrunde, die ihren Kaffee ausschließlich aus der Karlsbader Aufgusskanne, einer Brühkanne ohne Papier, mit Porzellansieb vorbereiten lassen.

„Auch wenn es paradox klingt – in der Ruhe pulsiert ein eigenes Leben. Die Zeit steht nicht still, hier im Sperl. Sie läuft nur anders.“ Aus: Heinz Benzenstadler; Café Sperl – Ein Wiener Kaffeehaus als Spiegel der Zeitgeschichte

 

 

 

 

Café Sperl
          6.; Gumpendorfer Straße 11
          Tel. (+43 1) 586 41 58
          melange@cafesperl.at
          www.cafesperl.at

Öffnungszeiten
Mo–Sa 7.00–23.00, So 11.00–20.00
  (Juli und August sonntags geschlossen)

>>> kurz + gut
Kolumne von Ingrid Raab

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