kurz + gut

Ausgabe September bis Oktober 2011

Unsere geliebten Männer
Haben sich Ihre Männer auch verändert, seit der Junggeselle von gestern, der galant und rücksichtsvoll, begeisterungsfähig für schöne Kleidung und Literatur war, mit einem liebevollen „hübsch siehst du heute aus“, unseren Tag versüßte, pünktlich und immer frisch rasiert zum Rendezvous kam,  zum Ehemann wurde und kaum noch Ähnlichkeit mit diesem Wundermann hat?
„Er zeigt nicht mehr so viel Interesse an meinem Aussehen, außer er ist der Meinung, ich hätte heute mit meinem Outfit  daneben gegriffen: … dieses Kleid steht dir nicht, es macht dick! Statt an Kunst und Mode entzündet sich sein Interesse nur noch an Fußball und gutem Essen. Seine Höflichkeit läßt im gleichen Umfang nach, wie seine Bequemlichkeit zunimmt.“
So schildern mir einige Freundinnen ihre banale Wirklichkeit und trauern um ihr entschwundenes Ideal.
Einige wenige jedoch schwärmen von ihrem wunderbaren Mann, der wie weiland Goethe geistige Größe hat, sie, wie am ersten Tag, ihrer Liebe mit Komplimenten verwöhnt, gerne in die Lieblingsboutique mitgeht und geduldig beim Schuhkauf berät.
Das kann mitunter aber sehr gefährlich werden. Denn SEIN Geschmack ist dann wichtiger und man läuft Gefahr „angekleidet“ zu werden. Verschärfend ist, wenn ER bezahlt. Da ist man schon in der Defensive!
Aber jetzt müssen wir, der Gerechtigkeit halber, auch fragen, wie haben wir uns verändert? Nörgeln wir jeden Morgen über die Zahnpastatube, die er zu unserem Missfallen am oberen Ende ausdrückt? Oder haben wir mit den Haaren in Waschbecken und Kamm – die natürlich nicht von uns stammen – die größten Probleme? Bewundern wir ihn noch wie früher, als er noch unser „kluger Gatte“ war? Ganz ehrlich! Hören wir ihm noch zu, wenn seine Ausführungen etwas langatmiger werden?
Wenn wir nicht in Resignation versauern wollen, müssen wir etwas dagegen unternehmen. Aber was? Wo fangen wir an? Bei IHM, würde ich zunächst vorschlagen. Vielleicht mit einer Umerziehung? Ich habe die Männer einmal so zum Spaß in zwei Gruppen eingeteilt:
Die Besserwisser, wie der Mann meiner Freundin, der sie in Gesellschaft immer freundlich verbessert, wenn sie z.B. erzählt: „... unser Flieger geht morgen um 16.00 Uhr.“ „Um 16.15 Uhr!“, korrigiert er prompt. Hallo!? (Aber recht hat er ja...)
Oder wenn sie einen Witz erzählen will: „Lass mich lieber den Witz erzählen, du vermasselst immer die Pointe!“
Was macht man da um Himmels Willen! Gegenangriff! Man bombardiere ihn mit Fragen: „Was heißt eigentlich RESPONSIEREN?“ Oder: „Kennst Du den Komponisten Friedrich Koller?“ (beides gibt es gar nicht). Habe ich irgendwo gelesen. Wenn er darauf hereinfällt, haben Sie gewonnen. Der erste Schritt ist getan!
Und der Unwiderstehliche – schwerer Fall!
Besonders dann, wenn man schon kostbare Jahre versäumt hat, bevor man damit anfängt. Naja, wir sind seinem umwerfenden Charme ja selbst erlegen. Bis wir erkannten, dass seine feurigen Blicke und die herrlichen Komplimente in einer Endlosschleife hängen. Man kennt sie bereits auswendig. Aber gut, so lange es nur uns gilt, ist ja nichts dagegen einzuwenden. Aber wenn er andere Damen damit beglückt, finden wir es nicht mehr witzig!
Selbst da gibt es eine Strategie. Der Unwiderstehliche ist eitel! Wecken Sie seine Eifersucht!
Machen Sie sich besonders hübsch und gehen Sie aus (mit einer Freundin), wenn er nachfragt, betonen Sie, dass sie NUR mit einer Freundin ausgehen. Er wird es nicht glauben, lassen Sie ihn dabei! Bitten Sie eine Freundin anzurufen und aufzulegen, wenn ER abhebt. Das wirkt! 
Unter uns gesagt, mein Mann hat ein bisschen von beiden. Aber das kriege ich schon noch hin – vielleicht!
Bei mir selbst gibt es ja nicht allzuviel zu verbessern. Ich schaue auf meine Figur, bin tiptop gekleidet, kann mich kultiviert in Gesellschaft unterhalten, bin meistens gut gelaunt (außer morgens) und eine hervorragende Gastgeberin, ich bin … naja, zumindest glaube ich fest daran! Ja, wirklich!

Haben Sie etwas wieder erkannt?

Konnte ich Sie inspirieren?


Ausgabe Mai bis Juni 2011

Frisuren im Wandel der Zeit
Der Frisur galt schon in der Geschichte stets die besondere Aufmerksamkeit der Männer wie der Frauen. Und in der Tat – eine kunstgerechte Haarpflege und ein exakter Schnitt kann das Erscheinungsbild wesentlich beeinflussen, zum Vorteil wie aber auch zum Nachteil.
Wir dürfen nicht vergessen, dass die Frisur vor allem durch die Mode geprägt und beeinflusst wird. Sie bestimmt, was gutes Aussehen ist.
Bei den alten Germanen und Kelten war langes Haar das Symbol von Freiheit und Macht, dagegen sind seit den Zwanzigerjahren kurze Haare das Symbol von Freiheit und lange Haare gelten als erotisch,
Die reichhaltigste Epoche in der Geschichte der Haartracht ist das Rokoko, als die Kompliziertheit und die Raffinesse der Frisuren durch die Verwendung von Spitzen, Blumen, Bändern, Kämmen und anderem Zierrat den Höhepunkt erreichten. Die führende Rolle spielte damals Frankreich.
Aus Memoiren jener Zeit ein humorvolles Beispiel:
„Ich musste mich frisieren lassen und in Staat werfen, um mich nach Versailles zu begeben. Diese Hoftoiletten dauern eine Ewigkeit und der Weg von Paris nach Versailles ist sehr mühsam, besonders wenn man achtgeben muß, daß die Unterröcke und Faltensäume nicht ruiniert werden. Ich wollte zum ersten Male einen Kopfputz versuchen, einige platte und der Form des Kopfes entsprechend gebogene Fläschchen, die etwas Wasser enthielten und in welche sodann natürliche Blumen mit ihren Stängeln hineingesteckt wurden. Das gelang nicht immer, aber wenn es gelang, war es doch etwas Schönes. Der Frühling auf dem Kopfe, inmitten des schneeweißen Puders, das war von bezaubernder Wirkung."

Ich bin eigentlich sehr froh, daß wir jetzt eher unkompliziert mit unseren Frisuren umgehen. Ein guter Schnitt und gepflegte glänzende Haare ersetzen jedes Blumenfläschchen am Kopf!


Ausgabe März bis April 2011

Ausgeliefert
In meinen letzten Kolumnen hatte ich mich der Geschichte und dem Wesen der Mode gewidmet. Heute möchte ich – in launiger Form – einen Abstecher in die Gegenwart machen.
Es ist für mich jedes Mal erstaunlich, wenn uns „Modeexpertinnen“ in regelmäßigen Abständen in den diversen Modejournalen erklären, welche Farben, in welcher Kombination, wir tragen sollen, welcher Designer gerade angesagt ist, ob die Kleidung weit oder eng, lang oder kurz sein muß, ob wir heuer Pelz tragen dürfen, dass eine schlichte Kuvert-Tasche jetzt „Clutch“ heißt,  zehenfreie Schuhe „Peep Toes“ genannt werden und „Ankle-Boots“ kurze Stiefletten sind etc. Und was absolute „No Go's“ sind. Ich kann das manchmal nicht nachvollziehen. Und wenn wir das alles nicht wissen, sind wir hoffnungslos out.
Abgesehen von den neuen englischen Bezeichnungen in der Modesprache – was übrigens ein neuzeitliches Phänomen ist –, da die klassischen Modebegriffe stets in Französisch gehalten waren, finde ich, dass man nur zwei „Regeln“ beachten sollte: Vorzüge betonen und „kleine Fehler“ wegschwindeln.
Was nützt es, wenn ich total in bin, aber um 10 Kilo stärker wirke, weil gerade ein weites Sackkleid vom Designer Sowieso in Mode ist, womöglich in erbsengrün (!), das nur ganz wenige Damen nicht leichenblass macht.
Oder eine Rocklänge en vogue ist, die in der Mitte der Unterschenkel endet und stramme Wadeln, und nicht nur die, so richtig schön betont! Nicht zu vergessen die Hüftröcke und -hosen, die kurze Beine und lange Oberkörper simulieren und die Proportionen des Körpers zum Nachteil verändern. Taille ist überhaupt aus der Mode gekommen. Die meisten jungen Mädchen wissen gar nicht mehr, was das ist und wo sie sich befindet! Bei jungen Burschen habe ich oft das Bedürfnis, ihnen nachlaufen zu müssen, um sie vor dem Verlust der Hose zu warnen. Sie wissen schon, wenn der Poansatz herauslugt und der Schritt bei den Knien ist.
Manchmal denke ich, warum kann uns die Mode so dominieren? Müssen wir große Blumenmuster oder riesige Karos tragen, obwohl wir klein und rundlich sind? Ist es wirklich unverzeihlich, wenn wir die von der Farbberaterin ausgewählten Farben nicht wollen, weil wir uns damit gar nicht wohl fühlen? Können wir nicht gegen den Trend entscheiden ohne Gefahr zu laufen, unmodisch zu wirken? Natürlich können wir, aber irgendwie schaffen wir es nicht, uns dem zu widersetzen. 
Ich erinnere mich mit Schaudern an die Achtzigerjahre! Diese extrem breiten Schultern ließen uns wie Rugby-Spieler aussehen und ich hatte regelrechte Entzugserscheinungen, als ich mir diese Schulterpolster abgewöhnte. Wir hatten ja extra Klettvorrichtungen daran, damit wir sie in allen Kleidungsstücken tragen konnten. Und im Winter waren wir dann besonders „aufgepolstert“. Polster im Kleid, Polster in der Jacke und Polster im Mantel. Aber alle sahen wir so aus und uns fiel gar nicht auf, wie unvorteilhaft das war!
Ich musste die Entwöhnung davon schrittweise vollziehen, ganz langsam, denn anfänglich kam ich mir wie ein schmalschultriges Huhn vor. Und was hat es genützt? Die Schulterpolster sind schon wieder da! Die Achtziger sind wieder da! Zum Glück nicht mehr in der Hardcore-Version, sondern abgeschwächt als eine Mischung von Vierziger- und Achtzigerjahren.
Soll ich Ihnen etwas verraten? Oh mein Gott – es gefällt mir sogar schon wieder!


Ausgabe Jänner bis Februar 2011

Modeschmuck, Teil 2
Inmitten der riesigen Vielfalt von Modeschmuck-Stilrichtungen, die in den vierziger Jahren hergestellt wurden, fällt eine besonders ins Auge, die für diese Periode bezeichnend ist: der Cocktail-Stil. Dieser Stil war sowohl im Bereich des echten Schmucks als auch im Bereich des Modeschmucks zu Hause. Er war spritzig und extravagant wie die alkoholischen Mixturen, von denen er seinen Namen erhalten hat. Eine Mode, die Reichtum vorspiegeln sollte, was sich beim Modeschmuck besonders gut bewerkstelligen ließ. So sehr, dass Modeschmuck im Design häufig sogar vom echten Schmuck imitiert wurde.
Diese üppige, kreative Schmuckära nahm ihren Anfang in den USA, wo diese übersprudelnde Mode ausgesprochen beliebt war. Bedingt durch den Krieg in Europa war man von den Pariser Designern abgeschnitten und sah sich gezwungen, das eigene Talent zu erforschen und einen amerikanischen Stil zu entwickeln. Trotz der Wirtschaftskrise in den dreißiger Jahren – oder vielleicht gerade ihretwegen – herrschte ein Bedarf an Luxus und Fröhlichkeit,. Man flüchtete sich in eine andere Welt, in allen Gesellschaftsschichten. Die arbeitenden Mädchen sehnten sich nach dem Glamour Hollywoods und die Neureichen trugen ihn als äußeres Zeichen von Eleganz und Stil.
Die Kluft zwischen den sehr Reichen und der Mittelklasse war schmaler geworden und Couture-Mode konnte von der Stange gekauft werden. Dies war Coco Chanel zu verdanken. Sie sah in einer Kopie ihres Designs ein schmeichelhaftes Kompliment. Sie hatte großen Anteil an der Entwicklung von Modeschmuck als Kunstform und ihre Arbeiten stehen im krassen Gegensatz zur reinen Imitation. Sie freute sich daran durch auffallende Schmuckfälschungen zu schocken. Diese originellen „Juwelen“ – von Chanel und Elsa Schiaparelli entworfen – trugen zum Siegeszug des Modeschmucks wesentlich bei.
Ende der dreißiger Jahre wurde der Lebensstil der Reichen nachgeahmt. Immer mehr Frauen wollten auch ein Recht auf Gesellschaftsleben haben. Auf beiden Seiten des Atlantiks entwickelte sich die Cocktailparty zu einer populären Form der „Geselligkeit daheim“.
Ein völlig neuer Kleider-Kult zur „Cocktail-Stunde“ entstand. Das kleine Schwarze – von Chanel populär gemacht – war die perfekte Lösung. Seine Schlichtheit verlangte nach aufregendem Schmuck!
Fast jede Frau hatte eine Art Abend- oder Cocktailkleid, zu dem sie in den meisten Fällen von Filmen inspiriert wurde. Der enorme Einfluss der Filme, in denen üppige (falsche) Juwelen getragen wurden, trug dazu bei, das Ansehen des Modeschmucks zu heben. Der Stil des echten Schmucks von Filmstars wurde kopiert. Berühmte Designer nahmen Auftragsarbeiten an und schufen Modeschmuck für bestimmte Filme. Modeschmuck zu tragen war zu einer Vorliebe der High-Society geworden. In den USA entwarf auch die Gesellschaftsgröße Miriam Haskel, die in Chanels Fußstapfen trat, teuren, handgefertigten Schmuck. Cocktail-Schmuck hat einen deutlich erkennbaren, eigenen Stil.
Die einzelnen Designer entwickelten ihre eigenen Stilrichtungen, während sich die Mode langsam weiterentwickelte, so dass man manchmal schwer sagen kann, ob ein Stück aus den späten dreißiger, den vierziger oder sogar den fünfziger Jahren stammt. Dennoch, der ausgeprägte Cocktail-Look der vierziger Jahre verfügt über einen ganz besonderen Reiz und ist leicht zu erkennen.
Der Trend zu vergoldeten Schmuckstücken nahm in den späten Dreißigern seinen Anfang. Trifaris Kollektion maßgeschneiderten Goldschmucks kam 1937 auf den Markt, Napier machte das Beste aus seiner Spezialität des handgearbeiteten Schmucks aus Golddraht. 1938 tendierte die Mode eindeutig zu immer mehr vergoldeten Schmuckstücken und 1941 kündigte Macys in New York den „Goldrausch“ an, unterstützte so den sagenhaften, falschen Goldschmuck.
Die Welt des Modeschmucks expandierte zu dieser Zeit sehr schnell. Wichtige Namen und Persönlichkeiten traten in den Vordergrund und wurden zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die heutigen Sammler von Modeschmuck aus dem 20. Jahrhundert konzentrieren sich auf „namhafte“ Designer und Hersteller, die zu jener Zeit Karriere machten und für die Produktionen der späten fünfziger und der sechziger Jahr den Weg ebneten. In Frankreich blieben die kommerziellen Hersteller größtenteils anonym.
Es war das Wiederaufleben der Pariser Couture unter dem starken Einfluss von Christian Dior, der den „Designer“-Schmuck etablierte und das „Jagd auf Namen“-Phänomen im 20. Jahrhunderts initiierte. Seit dieser Zeit ist der Modeschmuck zu einem echten Sammelbereich geworden. Die Sammler verlegten sich auf einen bestimmten Favoriten oder unterteilen ihre Sammlungen nach Herstellergruppen. Designer und Namen erwecken einen Gegenstand zum Leben, aber in gewisser Weise ist das auch eine Sammler-Krankheit.
Es sollte dem Sammeln von Etiketten keine zu große Bedeutung beigemessen werden und den Namen auch nicht ausschließlich als Kriterium zu einer kritischen Beurteilung des Designs und der Herstellung heranzuziehen.


Ausgabe November bis Dezember 2010

Modeschmuck, Teil 1
„Gerade eben war ich einer eleganten Dame behilflich, die eine Kette betrachtete. Sie trug Grünblau – die Farbe, die an diesem Wochenende in Paris als neue Modefarbe vorgestellt wurde – und sie wollte keine farblich dazu abgestimmte Kette, sondern eine, die einen kleinen Kontrast bildete. Sie bat um meinen Rat einen lapislazulifarbenen Kristall betreffend. Die Kette war enganliegend, genau die richtige Länge zu ihrem Ausschnitt, und als wir dazu noch passende Ohrringe fanden, zögerte sie keinen Moment länger. Die Frauen sind gerade erst dabei zu begreifen, dass ein neues Schmuckstück zu jedem Kleid die süße Qual des Aussuchens und Bezahlens wert ist.“

Lucy Park. Palm Beach News Bulletin, 1930

Könnte ich geschrieben haben, denn mehr denn je ist Modeschmuck heutzutage zum Traum geworden. Und dieser Verkauf von Träumen ist nur eine von vielen Rollen, die der Schmuck übernommen hat.
Schmuck war bereits für manche Völker des Altertums so unentbehrlich, dass er den Toten ins Grab mitgegeben wurde, um ihnen den Pfad in die nächste Welt zu ebnen. Man fand sie in tausenden ägyptischen, babylonischen, assyrischen Gräbern, ganz zu schweigen von den griechischen und römischen Grabstätten. Im zweiten Jahrtausend v. Chr. erreichte die ägyptische Schmuckerzeugung ein hohes Niveau; die Schmuckstücke der Könige sind Meisterwerke aus Gold und kostbaren Steinen. Zierrat und Schmuck sind also ein kostbares Zeugnis vom Leben der antiken Völker.
Aber ich gehe noch weiter zurück: Von Urzeiten an hat Schmuck eine wichtige Rolle gespielt. Der Jäger trug Tierzähne, Klauen und Knochen oder auch Federn als Beweis seiner Geschicklichkeit. Oder die Nebenprodukte des Nahrungsmittelerwerbs wie Leder, Beeren, Blätter und Blumen wurden als persönliche Zierde getragen.
Im Laufe der Jahrhunderte wurden Juwelen getragen, um dem Träger Glück zu bringen und die bösen Geister fernzuhalten, als Andenken- oder Trauerschmuck, als Zeichen von Macht, Reichtum und gesellschaftlichem Status. Als Zeichen eines Gefühls werden die echten Juwelen gewiss niemals ersetzt werden. Doch als reine Zierde bleibt der Modeschmuck unübertroffen.
Ein wichtiges Element wirkte sich auf die Popularität von Modeschmuck z.B. um die Jahrhundertwende herum aus: der Kult um die berühmte „femme fatale“ – die Schauspielerinnen, Kurtisanen und Revuetänzerinnen, für die kostbarer und üppiger Schmuck aus Erfolgs Barometer galt. Sie hatten eine wichtige Stellung in der Gesellschaft inne, und als Beweis dafür behängten sie sich mit Schmuck, sobald sie in der Öffentlichkeit auftauchten oder Fotos von sich machen ließen. Die Schmuckstücke waren Gesprächsthemen und Gegenstand so mancher eifersüchtigen Auseinandersetzung.
Eine Anekdote aus dieser Zeit erzählt von einem Zwist zwischen La Belle Otero, der berühmten Schauspielerin, und Liane de Pougy, der großen Kurtisane, die hörte, dass die Otero beabsichtigte, am selben Abend im MAXIM’S zu speisen und zu diesem Anlass alle Schmuckstücke anlegen wollte, die sie besaß, um ihre Rivalin zu beeindrucken und zu ärgern. Im MAXIM’S wartete Liane de Pougy geduldig ab, bis die Otero ihre Wirkung genossen hatte. Dann trat sie selber auf, sehr schlicht in Weiß gekleidet, ohne jegliche Zierde, kein einziges Schmuckstück war zu sehen; hinter ihr kam ihre Zofe. Sie taumelte unter der Last der randvoll gefüllten Schmuck- truhe, die sie schleppen musste!
Auch Sarah Bernhardt übte große Macht auf ihr Publikum und ihre treuen Fans überall in der Welt aus. Sie war berühmt für ihren Bühnenschmuck, der kunstvoll, bizarr und exotisch war und sie häufig von Kopf bis Fuß bedeckte. Einmal verwandelte sie sogar ein Chamäleon in ein lebendes Schmuckstück, indem sie es an eine goldene Kette hängte und auf ihrer Schulter befestigte.
Billige Kopien ihrer Schmuckstücke waren in jenen Tagen beliebte Accessoires.
Mein bevorzugter Modeschmuck ist in den dreißiger und vierziger Jahren angesiedelt. In den dreißiger Jahren entwickelte sich eine Vorliebe für kleine, aufregende Schmuckstücke, die mit Unmengen von farbigen Steinen besetzt waren – Rubine, Smaragde, Saphire – die aus Madagaskar kamen und wie Blütenblätter geschnitten und wie reife Beeren angeordnet waren. Dieser Tutti-Frutti-Stil wurde vom Modeschmuck aufgegriffen. 1934 wurde der Imitationsschmuck noch viel opulenter und farbenprächtiger.
Der nächste wichtige Schritt wurde von Leo Hendrik Baekeland unternommen, einem belgischen Chemiker, der in den Vereinigten Staaten lebte. Er entwickelte um 1907 den ersten, vollkommen synthetischen Kunststoff, ein Phenolharz, das als Bakelit bekannt wurde. 1909 wurde dieser Kunststoff patentiert und zum wohl bekanntesten aller für den Schmuck des Art déco verwendeten Kunststoffe. Weitere neue Kunststoffarten wur- den in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entwickelt, die dekorative Eigenschaften aufwiesen und für das Produkt von Schmuck und Tand geeignet waren. Plastikschmuck war der Inbegriff der Verwegenheit, das Äußerste an Freiheit in Design und Herstellung. Die Farben der Schmuckstücke konnten verblüffend intensiv sein. Kunststoffe, die wie Bernstein aussahen, wie Jade oder Koralle, konnten ge- schickt auf eine Art und Weise geschliffen werden, die das echte Material nie überstanden hätte. Später wurden die Kunststoffe maschinell gegossen und sahen aus wie kunst- volle Schnitzereien. Da die Hersteller der Versuchung, Edelsteine und Halbedelsteine zu kopieren, nicht widerstehen konnten, wurde viel Kunststoffschmuck in den aktuellen Designs verarbeitet.
Dennoch – die besten Plastikschmuckstücke sehen so aus, als seien sie stolz darauf, aus Plastik zu sein!
Aber keine Abhandlung über Modeschmuck kommt am Cocktail-Schmuck der vierziger Jahre vorbei. Dazu eine ausführliche Geschichte dieses Schmucks und mehr in meiner nächsten Kolumne.


Ausgabe Juni bis Juli 2009

Das Wesen der Mode
Von dem Augenblick an, da der Mensch die Kleidung als Schutz gegen die Unbill der Natur entdeckte, war es sicherlich nicht mehr weit, bis er über die ästhetische und stilisierende Funktion nachzudenken begann. Kleidung erwies sich als Objekt, an dem er vielleicht am unmittelbarsten seine künstlerischen Anschauungen verwirklichen konnte. Kleidung ist bis heute ein Mittel geblieben, bestimmten Vorstellungen von sich selbst und der Welt „sichtbaren“ Ausdruck zu verleihen.
Die uralte Symbolik, den entblößten menschlichen Körper mit einem Gewand zu verhüllen, kann mit Keuschheit, Schamgefühl und Wärmebedürfnis gedeutet werden. Vorzügliche Beispiele für die symbolische Bedeutung einer bestimmten Form der Kleidung bieten die rigorosen
Vorschriften, die das Gewand der ägyptischen Pharaonen, der römischen Se- natoren, der mittelalterlichen Stände oder der spanischen Monarchen bestimmte.
Die Kleidung gehört zwar zu den individuellsten Schöpfungen der menschlichen Kultur, jedoch geht mit der Mode ein mächtiger Nachahmungstrieb einher. Aber, die Nachahmung ist eine Voraussetzung der Mode – und Widerspruch zugleich. Was wir den „Modeprozess“ nennen, ist eigentlich die Verschmelzung von Gegensätzen: Der Mensch passt sich der Umwelt an, er bejaht die Mode, will sich aber gleichzeitig mit Hilfe eben dieser Mode von der Umwelt abheben. Der Mensch ahmt die anderen nach und sucht doch in dieser Form der Nachahmung seine ihm eigene Form der Selbststilisierung, um eine Vorstellung seiner selbst zu verwirklichen. Es gibt viele Beispiele der Nachahmung in der Modegeschichte, vor allem der Einfluss starker und populärer Persönlichkeiten bis hin zu den Filmstars von heute bestimmte – und bestimmt nach wie vor – den Charakter der Mode.
Mode ist aber noch viel mehr, nämlich ein lebendiges Spiegelbild einer Kultur, einer Epoche oder eines Landes. Es besteht fast immer ein Zusammenhang zwischen der Kleidung und der Architektur und Möbelkunst eines Zeitalters.
Zwischen den Epochen liegen aber immer Übergangszeiten, in denen sowohl das Alte als auch das Neue nebeneinander gelten. In einer solchen dürften wir uns derzeit befinden! Es wäre aber schlimm um unsere Kultur bestellt, würde unsere Mode sich nicht mehr ändern, denn das wäre ein Zeichen, dass wir nicht mehr fähig sind, uns weiterzuentwickeln.
Das Wesen der Mode ist die Inspiration. Schon jetzt müssen die Modeschöpfer verzweifelt nach Inspiration suchen und greifen zu diesem Zweck immer wieder in die Vergangenheit zurück. Weil ihnen die Gegenwart nichts mehr zu bieten vermag?

 


Ausgabe April bis Mai 2009

Emanzipation und Mode
Die Emanzipation der Frauen hatte während der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts langsam Fortschritte gemacht. Der Erste Weltkrieg jedoch trieb diesen Prozess mächtig voran. Frauen verrichteten in allen Armeen Hilfsdienste und traten im Verkehrs- und Gesundheitswesen, in der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion an die Stelle des Mannes.

Nicht nur mehr verheiratete, sondern auch unverheiratete Frauen erlangten – als Folge des Krieges – in der Gesellschaft eine gewisse Freiheit. Manche ledige Frau brachte es zu wirtschaftlicher Unabhängigkeit, was erst die tatsächliche Emanzipation bedeutete. Denn erst die Möglichkeit, über das durch eigene Arbeit verdiente Geld zu verfügen, ermöglichte ungleich größere Unabhängigkeit als jedwede Proklamation von Freiheiten.

Die verhältnismäßig günstige wirtschaftliche Situation vieler junger Frauen verursachte auch die Verschiebung in der Mode zugunsten der Jugend – die Mode von heute ist vor allem für junge Menschen geschaffen. Die Aktivitäten am Arbeitsplatz, auf den Sportplätzen und in Tanzlokalen bestimmte formal die Frauenkleidung, nachdem sich längst erwiesen hatte, wie unpraktisch der lange Rock war.

Die Reaktion der Mode auf solche Umwälzungen war eine übertriebene Zweckmäßigkeit, unterstützt von dem die Zwanzigerjahre weitgehend beherrschenden Funktionalismus. Das Kleid wurde dabei eigentlich zu einer breiteren oder engeren Röhre, die unten eine Öffnung für die Beine, oben eine kleinere für den Kopf sowie seitlich zwei kleine Röhren für die Arme hatte. Kleider in dieser Form trugen nun alle Frauen, ohne Rücksicht darauf, aus welchen Kreisen sie kamen. Eine solch unbedeutende Unterscheidung in der Kleidung gab es wohl erstmals wieder seit der Frühgeschichte der Menschheit.

Jedoch zeigte die Damenmode der Zwanzigerjahre auch einen starken männlichen Einschlag, sie respektierte nicht die natürliche Form des weiblichen Körpers. Kurzes Haar war modern – der „Bubikopf“. Das weibliche Modeideal wurde zu einem unwirklichen Geschöpf, eine Mischung aus einem Knaben und einem Mädchen, mit langen Beinen, flachen Brüsten, schmalen Hüften und etwas breiteren Schultern. Die Frauen, so könnte man sagen, sollten aussehen wie ein Junge, der einem Mädchen ähnlich ist. Sie trugen jetzt häufig Hosen, die bis dahin ein exklusiv männliches Kleidungsstück waren.

Um 1925 enthüllte man zum ersten Mal in der Geschichte der neuzeitlichen europäischen Mode das Knie!
Drei Jahre lang änderte sich die Silhouette der Damenkleidung sogar vom Morgen bis in die Nacht nicht. Nur der teurere Stoff und die feinere Verarbeitung kennzeichneten das Abendkleid, das um das Jahr 1928 ebenfalls kurz war – zum ersten Mal!

Zu Beginn der Dreißigerjahre kam Ruhe in die Entwicklung der Mode. Der Stil dieser Zeit entsprach in seiner Gesamtheit den wirtschaftlichen Verhältnissen der meisten Frauen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Industriestaaten. Die Silhouette der Kleidung stand wieder im Einklang mit der natürlichen Linie des weiblichen Körpers.

In den nächsten Jahrzehnten jagten einander die sich änderten Linien und ein ständig neu benannter modischer „Look“ zeitweilig so sehr, dass sie sich mitunter sinnentleert selbst aufhoben. Somit war in der Mode alles zulässig. In diesen Jahren zeigte sich, dass die Frau Manches aus den Kriegsjahren bewahrt hatte. Vor allem: Die moderne Frau und damit die moderne Damenmode ist nicht mehr ohne die Hose denkbar. Denn sie symbolisiert am deutlichsten die „Emanzipation“ der Frau!

 


Ausgabe Dezember 2008/Jänner 2009

30 Jahre FLO – Vintage-Fashion-Show

Also, mir sind die letzten 30 Jahre vergangen, als wäre es vorgestern gewesen, dass ich mein Geschäft mit nostalgischer Mode bzw. Vintage-Mode eröffnete. Es war im Oktober 1978, da machte ich mein Hobby zum Beruf! Diese denkwürdige Geburtsstunde wollte ich gebührend feiern.

So habe ich am 18. 10. 2008 eine Vintage-Fashion-Show auf die Beine gestellt, die sich sehen lassen konnte. Ich bat einige befreundete prominente Damen, für mich zu modeln und konnte spontane Zusagen on Sandra Pires (Sängerin), Nicole Burns-Hansen (Jurorin bei Dancing Stars), Denise Amann („Wilde Köchin“ im ORF), Susanne Reichard (Bezirksvorsteherin vom 4. Bezirk), Zenita Komad (Shootingstar der bildenden Künstlerinnen in Wien), Christa Schwertsik (Schauspielerin , Sängerin und Mutter von Julia und Katharina Stemberger), Nicole Adler (Moderessortleiterin Kurier), Barbara Beltram (Trendressortleiterin Woman), Christine Schuberth (Schauspielerin) bekommen. Musical-Star Caroline Vasicek bezauberte mit musikalischen Hits aus der Zeit der vorgeführten Mode.


Dem Anlass entsprechend wählte ich Cocktail- und Abendkleidung aus den Jahren 1920 bis 1970.
Ich lege großen Wert auf die sogenannte „Symbiose“ von Kleid und Trägerin. Ein Kleid aus den Zwanzigerjahren ist eine „Persönlichkeit“ und muss mit der Trägerin harmonisch verschmelzen, damit nicht eine (Trägerin) der anderen (Kleid) die Show stiehlt. Das ist gelungen, auch wenn die Damen keine Profimodels waren, was dem Ganzen aber dadurch einen sehr persönlichen und sympathischen Anstrich gab. Zur guten Stimmung trug auch das besondere Ambiente von HeadQuarters bei, die für Frisuren und das tolle Make up sorgten.
Erwähnen sollte ich noch, dass alle Beteiligten aus Spaß an der Sache und Freundschaft mitmachten, wofür ich mich ganz besonders bedanken möchte!
Die geladenen Gäste aus Kunst, Kultur und den Medien waren begeistert und wir bekamen viel Applaus. In der ATV-Sendung „Hi Society“ wurde eine ausführliche Reportage darüber ausgestrahlt.
Dass es hinter den Kulissen viel Aufregung und auch so manche Panne gab, blieb den Gästen (hoffe ich) verborgen. Zwei „Models“ fielen am selben Tag wegen Krankheit aus, der Musikcomputer stürzte ab und wir mussten improvisieren. Alle Damen waren sehr nervös, bevor sie sich ins Scheinwerferlicht begaben. Und ich fürchtete, dass ich bei der Moderation kein Wort herausbringen würde. Das nennt man Lampenfieber! Es war trotzdem ein voller Erfolg und ich war wirklich sehr stolz auf uns alle.
Anschließend wurde noch am reichlichen Buffet viel über die schönen Kleider diskutiert und alle waren einer Meinung: diese Qualität und Einzigartigkeit kann man heute nicht mehr herstellen! Es lebe VINTAGE!

 


Ausgabe Oktober/November 2008

Wenn ich so zurückdenke an die frühen Siebzigerjahre, kann ich die Mädchen von heute gut verstehen. Was haben wir gehungert, um so schlank wie Twiggy zu sein.

Sie war damals das Modell! Alle wollten wir so aussehen wie sie: Grosse Augen umrahmt von falschen Wimpern (Ober- und Unterlid!), verschiedenfarbige Lidschatten, dunkle Striche am oberen und unteren Augenlid. Farbe für die Lippen war verpönt, ein Tupfer Gloss gab uns den Glanz feuchter Kindermünder.

Twiggy trug die Haare kurz, ich wollte sie lang haben und nahm mir Sharon Tate zum Vorbild. Das war diese wunderschöne Frau von Roman Polanski, die in seinem Film „Tanz der Vampire“ die Hauptrolle gespielt hat und unter furchtbaren Umständen ums Leben kam. Sie hatte wunderschönes Haar, glatt und schulterlang. Das gefiel mir! Einen bunten indischen Schal wie eine Indianerin quer über die Stirn geschlungen und seitlich attraktiv hängen lassen oder kleine eingeflochtene Zöpfchen im offenen Haar, das war’s!

Blumen standen für Jugend und Natürlichkeit, auch wenn sie aus Plastik waren. Plastik für Accessoires und Kleidung passte zur optimistischen Zukunftsgläubigkeit und zur Raumfahrteuphorie. Auch die Farben für Make-up und Kleidung schienen direkt aus dem Weltall zu kommen: Weiß und schimmerndes Silber verliehen uns modernen Federgewichten Schwerelosigkeit – und zwar bis hinunter zu den flachen Stiefeln, die in fesselkurzer Form sogar im Sommer getragen wurden.

Im Winter trugen wir trotz bitterer Kälte Minis, darüber aber meistens einen bodenlangen Möbelstoff-Mantel. Die Muster waren aus heutiger Sicht eigentlich schlicht gesagt: gewöhnungsbedürftig. Wir fanden es selbstverständlich todschick.

IFoto: Ingrid Raabch hatte damals sogar einen Pelzmantel. Goldfarbenes Hasenfell in Minilänge mit Hüftgürtel und gleichfarbigen Strumpfstiefeln aus Leder. Wow, ja genau, so sah es auch aus!

Was wäre diese Dekade ohne Mini, Strumpfhosen und Stiefel gewesen? Erst dieser Dreisatz gab uns Frauen die Bewegungsfreiheit, die unser ganzes Verhalten veränderte. Und wenn es wahrscheinlich auch Mary Quant war, die den schenkelkurzen Rock zuerst propagierte, so ist die Kombination mit Stiefeln eindeutig Andre Courreges Idee gewesen – der erste Beweis dafür, dass aus der Verschmelzung von Street-Fashion mit Haute Couture bleibende Modetrends entstehen können.

Die Jeans haben wir schon damals eher verschlissen getragen, aber mit edlen Nappalederflicken verziert. Knalleng natürlich – und bitte mit Schlag!

Dazu bunte Blusen mit langen Krägen, ebenfalls hauteng und tief unter die Achsel geschnitten. Ich hatte immer das Gefühl, dass alles zu eng sei, obwohl ich mich auf Grösse 34 gehungert hatte. Aber das waren die sehr körperbetonten Schnitte, die auch vor den Männern nicht Halt machten.

Foto: Ingrid RaabErinnern Sie sich noch an Jason King? Das war der Star einer amerikanischen Fernsehserie in den Siebzigerjahren. So sah mein Mann aus! Schnauzbart, viel Haare und lange Kotletten. Sehr figurbetonte Anzüge, bevorzugt aus Samt in braun oder schwarz, dazu sehr bunte Hemden mit überdimensionalen Krägen und extrem breiten Krawatten. Schlaghosen selbstverständlich und lange enge Sakkos. Die Mäntel kurz mit Bindegürtel. Sah sehr gut und elegant aus. Und Sie werden es nicht glauben, auch die Männer trugen Plateausohlen! Nicht meiner, das war ihm zu verrückt.

Und dann gab es noch die Hippies und Blumenkinder, die ihre eigene Mode hatten. Man schlurfte barfuss in Jesuslatschen mit langen Walle-Gewändern, trug bestickte Lammfelljacken aus Afghanistan, Leder-Accessoires der Indianer, lange Schals aus Indien und T-Shirts mit Batikmuster. Und bald wurde diese Mode in den schicksten Boutiquen von Los Angeles bis London und Paris vermarktet. Hippies, die etwas auf sich hielten, suchten auf Flohmärkten und in Second-Hand-Shops nach authentischer Kleidung, doch selbst der unvergleichliche Charme abgeschabter Samtgewänder wurde schnell von der Industrie kopiert. Und die Vorliebe der Blumenkinder für nackte Haut wurde von der Haute Couture übernommen, die 1968 durchsichtige Blusen und nichts darunter vorschlug.

So übernahm die Haute Couture die Utopien der Hippies: Schließlich ist sie zuständig für die Realisierung von Träumen. Und wenn in der Realität die multikulturelle, gleichberechtigte, harmonische neue Welt auf sich warten ließ, so gab es sie wenigstens auf den Laufstegen.


Ausgabe August/September 2008

Sie erinnern sich sicher an die wunderschöne Dita von Teese, die von unserem Baumeister zum Opernball eingeladen wurde. Bei ihrem relativ kurzen Aufenthalt – eigentlich verließ sie fluchtartig den Ball und in der Folge auch Wien – äußerte sie Interesse an Jahrhundertwende-Kleidung, insbesondere Kleidung von Kaiserin Sisi.

Foto: Ingrid RaabIch besitze unter anderem einige solcher Kleider (natürlich keine echten Sisi-Kleider, aber Jahrhundertwende-Kleidung) und das inspirierte meinen Sohn – ein internationaler Fotograf – zu einem Shooting für ein ganz persönliches „Look Book“ für Dita von Teese. Wir konnten die PULS-4-Moderatorin Zain Makari als Model gewinnen sowie die Hollywood-erfahrene Make-Up-Künstlerin Andrea Hanke. Für die Frisuren stand uns Christine Wegscheider von headQuarters zur Verfügung, die uns auch die Location bereitstellte. PULS 4 sah uns mit der Kamera über die Schulter und brachte einen Beitrag darüber.

Es war eine sehr aufwändige Produktion, denn wir präsentierten 40 Kleider und jedes Kleid brauchte ein spezielles Make Up mit der passenden Frisur. Ich wählte nämlich nicht nur Kleidung aus der Jahrhundertwende, sondern auch aus den Dreißiger-, Vierziger- und Fünfzigerjahren. Wir wollten so authentisch wie möglich sein und schöne Bilder liefern. Die Zusammenarbeit funktionierte wunderbar und wir hatten großen Spaß, aber es war auch sehr anstrengend, denn wir arbeiteten vier Tage lang bis spät in die Nacht.

Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das fertige „Look Book“ wird mein Sohn Dita von Teese direkt in Los Angeles präsentieren.

 


Ausgabe Juni/Juli 2008

Hut als Schmuck, Hut als Kälteschutz, Hut als Sicherheit, Hut zum Verbergen der nicht sitzenden Frisur, der Hut als Kunstwerk. Ein Hut spricht viele Sprachen, nicht immer die der Trägerin oder die des Betrachters. Er dient dem Sich-Darstellen von Personen und erzählt viele Geschichten: von Freiheit, Erotik, Schamhaftigkeit und Selbstliebe. Manchmal mit Humor, manchmal ohne.

Der Hut kann mit einem Schleier das Gesicht verbergen, aus Koketterie, aber auch als Schutz vor Nähe. Er kann Ausdruck von Trauer sein oder sich mit Blumen zu himmlischen Freuden aufschwingen.

Hüte sind Signale. Zeichen der Zugehörigkeit zu Gesellschaftsschichten, zur Arbeitswelt oder zur Künstlerebene. Hüte sind auch Symbole für die Welt der Trägerinnen oder die, die sie damit vermitteln wollen. Es sind Ansichten einer eigenen Welt, auch kulturhistorisch gesehen.

Schade, dass er ein bisschen aus der Mode gekommen ist.


Das letzte Mal habe ich versucht, den Begriff VINTAGE in der Mode zu erklären und Ihnen ein wenig von den Designern zu berichten, die sich davon inspirieren lassen.

Dazu fällt mir noch eine kleine Begebenheit ein. Eines Tages betritt eine junge Dame mit einer Freundin und einem Handy in der Hand meinen Laden und telefoniert und telefoniert auf Englisch. Beide sehen sich übel gelaunt um und würdigen mich keines Blickes, trotz meiner vergeblichen Versuche herauszufinden, wofür sie sich interessieren.

Die telefonierende Dame zieht mit der handyfreien Hand einige Stücke aus meinem Sortiment heraus und wirft es der Freundin zu. Nach ca. einer Viertelstunde verlässt sie grußlos das Geschäft – immer noch telefonierend – und lässt die Freundin die ausgewählten Stücke bezahlen. Am nächsten Tag besuchen mich zwei junge Männer, sogenannte Trendscouts, die ich schon seit längerem kenne und die mir freudestrahlend berichten, dass gestern Stella McCartney bei mir eingekauft hätte!?

Richtig! Es war die telefonierende, missgelaunte, junge Dame. Aber vielleicht hatte sie einfach nur einen schlechten Tag, das haben wir ja auch manchmal, oder?

 

 

Kolumne
von Ingrid Raab

FLO Vintage – Nostalgische Mode
4.; Schleifmühlgasse 15 a
Tel. 01 586 07 73
viennaflo@chello.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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