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– Literatur am Naschmarkt
Brüchige Welten
1. 2. 2010 im tewa
Die Lesungen von Michaela Falkner und Cornelia Travnicek werden wie der gesamte Abend wohl allen Gästen von Textstand lange in Erinnerung bleiben. Wer die beiden Autorinnen sieht, darf sich von ihrer Grazilität nicht täuschen lassen. Denn: Provokativ, kompromisslos, ohne Erbarmen schreiben sich Michaela Falkner mit dem Requiem für vor Euphorie aufgeschlagene Knie untertitelten „Kaltschweißattacken“ und Cornelia Travnicek mit dem Erzählband „Fütter mich“ in die Lebenswirklichkeiten und Tragödien unseres Alltags hinein.
Ausgehend von einer gewöhnlichen Alltagssituation führte Travnicek – eines der größten Erzähltalente der österreichischen Gegenwartsliteratur – in der vorgetragenen Erzählung „Ouroboros“ die Zuhörenden die Brüchigkeit und Fragilität unserer Welt vor. Genau beobachtet und atmosphärisch dicht erzählt, kippt die Handlung mit ihrer Fortdauer ins Unheimliche und endet für den Protagonisten letal.
Anders als Travnicek, aber nicht weniger intensiv und einprägsam, trug Michaela Falkner im zweiten Teil des Leseabends von Textstand aus „Kaltschweißattacken“ vor. In Falkners Requiem dominieren eine großartige Sprachwut und ein die antike Tragödie evozierendes Pathos, die thematisch mit einer gesellschaftlichen Fundamentalkritik verbunden sind. Der menschliche Körper wird zum Gewaltobjekt, die Welt ist geprägt von Angst, Schmerz und Verzweiflung.
Dass Falkner diese schonungslose Kritik mit ihrer zarten, beinahe fragil wirkenden Stimme vortrug, zählt zu den bleibenden Eindrücken dieses Literaturabends, an dem beiden Autorinnen gegen die gesellschaftliche Mauer der Ignoranz vehement und grandios angelesen haben.
Maria Manuela Weixelbam
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