Fur suchen Wonung

Tareks Wohnung wurde allmählich zu eng – er, Nasrin, und die zwei Kinder – das war zuviel. Und so schrieb Tarek, nach Rücksprache mit einem Kollegen („Wenn suchs du Wonung frags du Winawonen!“) einen Brief an selbige.
Eine Antwort hat er nicht bekommen.
Warum weiss Mensch nicht? – Aber lesen Sie selbst!

Birief an Winawonen:

Ser geernten Herrn Winawonen,
i bin i Kemal meine Name is, mecht i bitte haben mir und meine Frau und swei Kinda su gegeben eine Wonung neues. Wonung jets i bin i drinnen habs nur Simma kleine – eine fur guken Fernsengen, eine fur eschlafen mein Frau und i – i manschmal, eine Kammerl fon Besen fur Kinda beides.
Dem Kusche is in Wonsimma wo auch is Bad und Fernsengen. Antenn was gibs auf Dach oben nix funksion. Manschmal Fernsengen habs Aarbeit, manschmal is Aarbeitslos – i bin i nix ferschten.
Klo is in Gang.
Jets Baueschtelle schon fertig – i kann get net Aarbeitslos – i jets Schischt. Aba Problem Wand. Wenn i bin i kommen fon Nachtschischt i kann i net eschlafen weil schreien meine Kinda in Fruhe. Dem Auge i kann net krigen su, weil dem Gruba was is wonen in Wonung neben fon meine Wonung sisch imma schlägt seine Frau bei Tag und bei Nachtschischt!
Auch imma gesoffen ist, und singta erm will gen in Westernwald oda so.
In Loch wo Kinda drinnen meine Son Adam imma eschmersen in seine Popo weil erm seine Bett is bei die Wand, und imma sisch eschteschen in Nacht bei Nagel was hat der Gruba gewixt in Wand fur halten seine Bilda. Wand is dunn, gans dunn! Bett is Dupplatebett, Tochta unten eschlafen – in Fruhe manschmal nass – wenn dem Adam seine Dischtung nix funktion.
Dann Klo!
Kommen Sie nur fur guken Klo – wenn get sitsen auf diese dann Leben in Gefahr. Wegen Fussboden – is sisch gans eschtinken und eschtinkenfaul. Muschel habs Loch. Mit Fusse imma eschtengen in Drek was Letste habs gelassen da. Boden schon gans weisch. Auch Eschloss fon Ture fon Klo nix funktion – letstes Sonntag jemand habs zap zarap gemacht meine Rolle fon Papir fon Klo. I habs i muss get nehmen dem Kroneseitung was habs i gerade holen fon Eschtrasse.
Dann Fensta!
Dem Fensta fon meine Wonung nur eine Meta fon Festa fon Haus was is neben Haus wo is drinnen meine Wonung. Im Somma wansinn – Drinnenhof is so klein. Meine Nachbarn fon was hat Fenste in Haus fon Daneben alte Geilfogel ist – Geileschpats oda so. Imma sitsda bei Fensta und wenn i bin machen Ferker mit Geschlescht fon mein Frau imma schibta weg Fornehang mit seine Eschpasiereneschtok fur guken! Dann imma kommen Wassa fon seine Mund!
Get net su lassen Fensta in Somma – sonst sowiso erschtikung machen – und wenn Ferker, und Fensta su – dann fil heiss – i get krigen Hersinfakt – fileischt!
Sags du selba Winawonenmann – kanns du glauben wenn machs du Ferker mit Geschlescht fon dein Frau jemand kann get guken in Loch fon deine A.?
I hab i noch bitte du mia komms besuchen machen – aba nimms du net mer mit Leute aussa noch swei aussa dia – weil sonst in Wonung keine mer Plats.

Und bitte fur Enschuldigung machen meine Deitsch – i schon Hinterngration schon get – aba Kurs fon get lernen schon kosten fil teuer Geld – und i sowiso muss jets gen in Schischt!

Mit freidlisches Grissen

Tarek Kemal

Uns bitte schreiben eschnell – bald schon kommt wida Somma!

Amir P. Peymann
Geb. am 7. 6. 1971 in Teheran, Iran. Seit 1979 wohnhaft in Wien; Maler, Schriftsteller (Literaturkabarett, Lyrik, Prosa, Übersetzungen aus/ins Persische); zahlreiche Lesungen in Österreich und Deutschland. Mitglied IG Autorinnen Autoren, Grazer AutorInnenversammlung.

Publikation
„Hunde, Katse, oda Maus, Tarek macht dia Döner draus!“ uhudla-A 2006.


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