Gen kaufen Döner

„Und wenn du draussen gen – du Kopftuch nehmen!“ herrschte Tarek seine Frau Nasrin, 32 Jahre, geboren in Ghazwin, ihm seit seinem sechsten Geburtstag versprochen, mit 20 angeheiratet, 2 Kinder, Adam 5 Jahre, geboren in Ghazwin (mitten im Urlaub), Jasmin 2 Jahre, geboren in Wien, keine Haustiere, wohnhaft seit 1990 in Wien, 5. Bezirk, Linke Wienzeile, Altbau, mit Klo am Gang, an.
Aufgrund diverser Meinungsverschiedenheiten hängt bei Familie Kemal seit einigen Wochen der sogenannte „Haussegen“ schief – sie macht nicht, was er will – er versteht es nicht, bis …
„Aid, Frau, i bin gen jets Arbeit, du gen kaufen sowas fur Kochen ab Markt, wenn i bin kommen Hause Essen sich fertig.“
Nasrin, seine Frau, seit einiger Zeit bei einer integrativen Frauenvereinigung tätig, schnauzte ihn an:

„Wenn suchst du Essen – dann du gemacht Essen!“
Tarek ist ein liberaler Mann: „I bin i liberale Mann – kann Frau gemachen was i will.“
Aber das verstand er nicht – sagte nichts, und ging.
Stunden später …
„Frau – bin i da. – Was gibs Essen?“
„Essen fur di is’ in Kasten.“
„Was Kasten?“
„Kasten in Kuche.“
Tarek ging in die Küche …
„Welchen Kasten Frau – machen du mi einemale gans verrukte in Kof.“
„Bist du geworden blind – nimmst du Essen ab Kasten was is oben Abwasch.“
Tarek fand – öffnete …
„Frau – da nix Essen – da Dose.“
„Das ist Essen – Idiot!“
Tarek platzte der Kragen.
„Das Dose – soll i gegessen Scheissendrek Metal – bin i ostareicha Hund – essen von was is’ von Dose? – Meine Maman, was hat geheiraten meine Baba Frau, nix hat gemacht sowas mit Baba.“
„Bin i nix deine Mutter, brauchst du Mutter – suchst du Telefon!“
Tarek verstand die Welt nicht mehr – seine Frau wollte nicht mehr kochen – zumindest nicht für ihn – seine Frau wollte nicht mehr putzen, nicht einkaufen gehen – nichts.

„Frau – bist du geworden Krankenheit in Kof – warum suchen du Revolusion in Wohnung? – Bin i Mann schlekte – bin i bringen da di – bin i gemacht ab di Kinda – bin i schiken di ab Kurs doitsche fur bist du Kultur assimlert – warum du jets gemachen Problem?“
„Meine Freundin ab Verein …“ – setzte Nasrin an.
„Aid – Scheissendrek mit Reis – i schon gewusst – ostareicha Frau steken sowas Felo in deines Or, …“
„Wenn dir nix passt, i nehmen Kinda, fahren alte Heimat, kannst du bleiben alleine – will i nix mehr bleiben bei dia …“
Tarek hörte den letzten Satz nicht mehr – er hatte für sich beschlossen, die eheliche Wohnung zu verlassen, um zumindest am Naschmarkt etwas Ordentliches zum Essen zu kriegen.
„Lan Moruk, wie gehtsler nasil*?“, fragte ihn Ahmed.
„Aid – frags bessa nix – ganzes Welt is’ geworden verrukte – Frau is’ geworden verrukte – will nix mehr kochen ab mi – will gen fahren Heimat – denken nur fur sowas blodsinnig in Kof – aid – egal – gibs mia eine Döner.“
„Weisst du Moruk“ – sagte Ahmed, während er Tarek das Fleisch vom Spiess schnitt – „weisst du, ganzes Welt is’ sich wie Döner – immer dreht sich – sihst du – so. – Und jeda kommen – schneidet ab sich eine Stükel. –
Mit Scharf – mit Sosse?“

Tamam

* „Hey Alter, wie geht’s denn so?“

Amir P. Peymann
Geb. am 7. 6. 1971 in Teheran, Iran. Seit 1979 wohnhaft in Wien; Maler, Schriftsteller (Literaturkabarett, Lyrik, Prosa, Übersetzungen aus/ins Persische); zahlreiche Lesungen in Österreich und Deutschland. Mitglied IG Autorinnen Autoren, Grazer AutorInnenversammlung.

Publikation
„Hunde, Katse, oda Maus, Tarek macht dia Döner draus!“ uhudla-A 2006.


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