Impressionen und Z'sammg'schütts*

Sieh, das Gute liegt so nah!

Heuer hab ich es mit meinem guten Vorsatz beinahe geschafft: Keine Erdbeeren aus Spanien, habe ich mir vorgenommen, und nur einmal bin ich schwach geworden, als mich die aufgetürmten und wohlfeilen tiefroten Früchte beim Einkauf am Naschmarkt gelockt hatten. Farbe, Geruch und Festigkeit tadellos, aber der Geschmack! Unreif geerntet, wie weiter behandelt, damit die Früchte den weiten Transportweg überstehen, möchte ich gar nicht wissen.

Wer den Film „We feed the world“ von Erich Wagerhofer gesehen hat (www.we-feed-the-world.at /film.htm), kann sich lebhaft vorstellen, dass die Erdbeeren aus der Glashausregion Huelva, wo jeder Quadratmeter Land genutzt wird, um Tomaten, Paprika und Erdbeeren für den gesamten europäischen Markt zu produzieren, dort in ihrem kurzen Turboleben erst wenig ungefilterten Sonnenschein gesehen haben.

Mit umso mehr Vorfreude konnte ich mich heuer auf die „unsrigen“ Erdbeeren konzentrieren und habe die hellroten Früchte von burgenländischen und steirischen Feldern von Herzen und in großen Mengen genossen.

Der Geschmack entfaltet sich explosionsartig im Mund, abgerundet und vollmundig schmecken ausgereifte Erdbeeren, Paradeiser, Weingartenpfirsiche, und die Wachauer Marillen nicht zu vergessen… weitgereiste Früchte und hochgezüchtetes Gemüse findet man eher in den Supermarktregalen, aber nicht am samstäglichen Bauernmarkt.

Wie unterscheidet man nun als aufmerksame Einkäuferin und mündiger Konsument am Bauernmarkt die Produzenten von den reinen Verkäufern von Großmarktwaren – die ja auch gut sind, aber deren Ursprung sich doch meist fernab von Wien befindet. Jeder Standler muss sich ausweisen, und ein sichtbar angebrachtes Schild mit „Marktfahrer“ oder „Landwirt/Gärtnerei“ geben dann die Herkunft der feilgebotenen Waren preis.

Auf der Suche nach authentischer Saisonware sehe ich dann auch in den zufriedenen Gesichtern der Landwirte, die es zu ihrem Beruf und Lebensaufgabe gemacht haben gute, frische und gesunde Lebensmittel zu produzieren.

Kommt man mit ihnen ins Gespräch, erzählen sie, wie frisch die angebotenen Eier sind, wie hoch die Tomaten in Simmering ranken, welche Blumen gerade auf ihren Feldern blühen, warum das Grazer Krauthappel (eine Art „mürber“ Eisbergsalat) nur in Graz wächst, weil es nur dort den speziellen Morgentau gibt.

Seien wir uns doch bewusst, dass wir durch die Nachfrage nach unverfälschten Lebensmitteln diesen „Idealisten der Landwirtschaft“ nicht nur eine Existenz (oder einen Nebenerwerb) sichern, sondern dass wir es durch unsere Kaufkraft in der Hand haben, das Angebot auf dem Markt – da meine ich nicht nur den Naschmarkt – positiv zu beeinflussen.                 

Barbara Neuroth

 

Barbara Neuroth

Barbara Neuroths
Impressionen vom Markt

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* Wienerischer Ausdruck für Restlverwerten: Was gibts heute zu essen? Impressionen und Z’sammgschütts = Übriggebliebenes und Zusammengeleertes

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