Kunst – Mariahilf

Gebt dem Theater neue Spielstätten! Baut neue Tempel der Kunst und entlarvt sie! Zeigt, wie Theater gemacht wird! Zeigt die Werkstätten! Begeht das Theater! Das Theater ist Kulisse! Architektur ist Kulisse! Alles ist Theater!

Februar 1981

Das Idealtheater am Naschmarkt

Neue Inszenierungskonzepte suchen neue Spielmöglichkeiten. Die traditionellen Theater erlauben trotz hypertrophen technischen Ausstattungen ein Spiel nur im Rahmen des Guckkastens.
Bert Brecht forderte den aktiven Zuschauer. Regisseure wie Peter Brook, Peter Stein, Ariadne Mnouchine spielen in Werkstätten, Markthallen, Schlachthöfen. Damit geben sie dem Spiel eine weitere Dimension. Das „Living Theatre“ macht das Publikum zu Mitspielern.
Das Idealtheater ermöglicht jede Veränderung. Das ganze Gebäude, der Naschmarkt als Vorplatz und der Garten werden zum veränderbaren Rahmen der Inszenierung. Der Zuseher bekommt Kontakt zu den Produzenten, er sieht in die Werkstätten, erlebt den Transport und Aufbau der Kulissen, spricht mit den Theatermachern. Nimmt an Diskussionen und Workshops teil.

LAGE

Die Denzelgründe mit der großen Baulücke zum Naschmarkt wären ideal geeignet, die Kunstachse von Oper, Kunsthaus, Sezession und „Theater an der Wien“ Richtung Westen fortzusetzen. Kein Ort in ganz Wien wäre so wie der Naschmarkt geeignet, Foyer dieses Ortes avantgardistischen Spielgeschehens zu sein. Der Garten zwischen Wienzeile und Gumpendorferstraße wäre Teil des Theaters und dem Konzept entsprechend öffentlich nutzbar. Das Café Sperl und das Sempersche Kulissendepot wären dann über den Theaterpark an den Naschmarkt angebunden.

KONZEPT

Eine Spielachse ermöglicht prozessuale Inszenierungen. Die Montagestrasse versorgt das Spielgeschehen. Wegachsen parallel zur Spielachse und zur Montagestrasse ermöglichen die Beobachtung der Herstellung. Eine vertikale Achse stapelt alle Zonen des Kontaktes „Hinter den Kulissen“ (Restaurant = Kantine, Videothek, Bibliothek)
Die Säle erlauben überall Spielgeschehen. Sie sind alternativ oder gleichzeitig nutzbar. Personenzahl je Saal ca. 300, gemeinsam 500 Personen.
Die Topographie der Säle ermöglicht ein System von Hubpodesten mit einem groben Basis- und feinerem Aufbauraster. Auftritte von allen Seiten und in allen Höhen. Publikumszugänge sind entweder auf den vorhandenen Niveaus oder werden mittels Podesten für die jeweilige Inszenierung gebaut.
Hub-, Schiebe-, und Faltwände sowie Prospektrollen lassen den Charakter des ganzen Saales verändern.
Das Foyer dient als Spielort einzelner Szenen. Das Foyer verbindet auch das Straßenniveau der Wienzeile mit dem Gartenniveau und weiteres mit dem Niveau des Steges zur Gumpendorferstraße. Die Beobachtung vorbeifahrender Kulissen und Einblicke in die Säle und Werkstätten reizt zum näheren Betreten der Theaterwelt.
Die Fluchtachse des Foyers, flankiert vom Steg, trennt eine streng terrassierte Anlage von einem „Englischen Garten“.
Das Fragment des Amphitheaters symbolisiert den historischen Ausgangspunkt.
Die Anlage wird von der Gumpendorferstraße durch eine Kolonnade betreten, in die das Amphitheater vorragt. Das „Sponsorhaus“ schließt den Garten oberhalb des Amphitheaters ab. Der Weg zum Café Sperl und Kulissendepot verbindet den Steg wieder mit der „Wiener Gegenwart“
Der Eingang ist der erste Übergang von der Alltagswelt zur Welt des sogenannten “Scheins“. Das Portal dient als Spielgerüst und als Substruktur für Dekorationen zur Veränderung des Hauses (Tempel, Werkstatt, Opernhaus, etc.)
Die Galerie „An der Wienzeile“: Passanten beobachten, ohne das Innere betreten zu müssen, den Produktionsablauf oder betrachten erhöht das Geschehen am Naschmarkt. Ein Eingang führt in den Garten.
Die Kontakträume sind durch das Foyer oder von den Eingangsstiegen vor der Montagestraße erreichbar. Das Restaurant dient auch als Kantine und ist ins Foyer erweiterbar. In der Videothek, Phonothek und Bibliothek informiert sich der bereits interessierte Zuseher näher und wird beobachtender Teilnehmer des Entstehungsprozesses einer Inszenierung.
Das Foyerdach ist begehbar und wird als „Raum im Freien“ für Training und als Ort der Entspannung mit Blick auf die Gartenanlage genutzt.
Die Werkstätten erlauben durch ihre Staffelung Einblick in die darunter liegende Arbeitszone. Das Publikum erhält die Möglichkeit von der Galerie in die Werkstätten Einsicht zu nehmen, Für Inszenierungen in Simultantechnik (mittelalterliche Mysterienspiele) dienen die geöffneten Werkstätten als Mansionen (Spielhäuschen).

(Anmerkung Herausgeberin: Leider „nur“ der Auszug aus einer Diplomarbeit, aber spannend wäre eine derartige Anordnung dennoch.)

Architekt DI Eduard Widmann
6.; Schmalzhofgasse 8/17
Tel. (+43 1) 505 40 11
office@widmann.at
www.widmann.at

 

 

 

ARCHIV

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