Kulinarisches

Foto: Gerd Wolfgang Sievers

Aphrodisierende und erregende Genüsse!
Am 21. 3. war bekanntlich Frühlingsbeginn und es ist ein offenes Geheimnis, dass durch die stärker werdende Sonne die Sinne erregt und die Produktion von Glückhormonen angeregt wird.

Weil man(n) sich aber nicht immer auf die Wirkung der Sonne verlassen wollte, versuchen findige Geister seit Menschengedenken den Körper mit sogenannten Aphrodisiaka in Stimmung zu bringen.

Ganz oben auf der Liste lustfördernder Mittel waren schon immer verschiedenste (vor allem exotische und/oder teure) Lebensmittel und Gerichte/Rezepte, die entweder die weibliche Libido fördern oder die Manneskraft stärken sollten. Auffällig ist, dass die überwiegende Mehrzahl von kulinarischen Aphrodisiaka der Potenzsteigerung dient und nur wenige der weiblichen Erotik zugesprochen werden.

die explizit für Frauen und ihre Lust angedacht sind, sprich sie geneigt stimmen sollten. Allerdings legte Casanova großen Wert darauf, dass er die Frauen mit seinen Lustmahlen eroberte – nicht verführte! Denn ein Liebesverhältnis könne „nur in Übereinstimmung mit unseren Sinnen“ erfolgen. Überliefert ist weiter, dass Casanova nicht nur ein guter Liebhaber gewesen sein soll, sondern auch ein exzellenter Koch. Das überrascht insofern wenig, als doch einfühlsame Köche einen hohen Stellenwert bei der holden Weiblichkeit genießen. Liebe geht zwar durch den Magen, aber eine vollendet zubereitete Speise erregt zuerst die Sinne und damit die Sinnlichkeit.

Schon immer war der Mensch darum bemüht, seine natürlichen Bedürfnisse nicht nur zu befriedigen, sondern auch mit Spaß zu stillen. So waren Essen und Erotik stets eng miteinander verbunden. Kaum eine Verführung, kaum eine Eroberung, bei der nicht Essen eine Rolle spielt. Hat man seine(n) Liebste(n) nicht zum Fressen gern? Und schon Casanova war der Ansicht, dass es nicht immer Kaviar sein muss; duftende Makkaroni mit frischem Parmesan und gutem Landwein können genauso zielführend sein (oder mit einer schaumig aufgeschlagenen Buttersauce – oder mit Madeira und Trüffeln... A.d.A.) . Doch hat der Feinschmecker sicher nichts gegen Austern, verführerisch duftende Kräuter und Gewürze oder prickelnden Champagner einzuwenden.

Da anscheinend auch Aphrodisiaka mit der Zeit gehen, sind einige – zumindest geschmacklich gesehen – äußerst anregende Gerichte aus der Mode gekommen: Spatzenhirne beispielsweise oder Hahnenkämme (und -Hoden), diverse Phallen und die Gebärmutter von Jungsäuen, welche bei den alten Römern einen hervorragenden Ruf genoss.

Gesellschaftlicher Status, kulinarische Vorlieben, kulturelle Kreise, religiöse Vorschriften und vieles anderes mehr spielen eine Rolle bei den Liebesdiäten, was zur Folge hat, dass man in der heutigen Zeit mehr auf bekömmliche und gesunde Kost Wert legt: vitaminreich für die nötige Energie, eiweißreich für Spannkraft und Ausdauer sowie viele Mineralien für lockere Entspanntheit.

Verbissenes Kalorienzählen und die bei Frauen leider oft zu beobachtende hartnäckige Verweigerung sich einmal gehen zu lassen und über die Stränge zu schlagen sind keineswegs im Sinne eines genüsslichen Liebesabenteuers. Erotische Schlemmereien sollen das Vorspiel eines großen Vergnügens sein – und selbst dabei nichts anderes sein, als reines Vergnügen! 

Aphrodisierend kann im Grunde genommen jedes Genussmittel und Lebensmittel wirken, es kommt aber immer darauf an, für wen es bestimmt ist, in welcher Dosierung man es reicht und wie es präsentiert wird. Ich persönlich stehe auf Trüffel, doch kenne ich viele Frauen, die den Duft keineswegs verführerisch empfinden. Genauso wenig Sinn wird es machen, einem überzeugten Vegetarier ein rosa gebratenes Stück Fleisch vorzusetzen oder einem Menschen, der nicht so gerne Fisch isst, Kaviar oder gar eine rohe Auster zu kredenzen. Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen sind gefragt. Erkennt man als Koch (Köchin) oder Gastgeber(in) die wunden Punkte des zu erobernden Opfers, dann darf man sich des Erfolges sicher sein, denn nahezu jeder Mensch lässt sich gerne auf genussvolle Art und Weise ins Reich der Sinne entführen und dort verzaubern.

Appetit und Sex sind – und werden es hoffentlich bleiben – die großen Beweger der Geschichte. Sie bewahren die Spezies und pflanzen sie fort, schaffen Kulturen und Gesellschaften, beeinflussen Religionen und werden durch sie beeinflusst, schaffen und ändern Gesetze, inspirieren die Kunst und die Schöngeisterei, doch zerstören sie auch Existenzen und verursachen Kriege.

Das Einzige, was zählt und bleibt, ist – allen Hilfsmitteln und Aphrodisiaka zum Trotze – die echte, reine und wahre Liebe. Die Phantasie muss inspiriert werden, damit die Gemüter fröhlich gestimmt sind und kein Platz für unfreundliche Worte, Schwermut oder Niedergeschlagenheit da ist.

Gefräßigkeit und Lüsternheit haben mit dem Überlebensinstinkt den gleichen Ursprung. Denn die Verbindung von Essen mit Sinnesgenuss ist das erste, was wir bei der Geburt lernen. Das Gefühl des an der Brust genährten Säuglings, umwoben von den Gerüchen und der Wärme der Mutter, ist pure Erotik und hinterlässt Eindrücke fürs ganze Leben.

Obwohl der Zahn der Zeit stetig an uns allen nagt, sollten wir es fertig bringen, auch den letzten Tag eines hoffentlich langen, fruchtbringenden, genussreichen und lustvollen Lebens mit dem gleichen Appetit auf die irdischen Freuden zu genießen, wie den ersten! Man denke an dieser Stelle nur an begnadete Genussmenschen und somit Vorbilder wie z.B. Abraham, Picasso, Degas, Casanova oder Chagall, welche bis ins hohe Greisenalter das Leben in vollen Zügen (und Bissen) genossen. Nur ist ein Leben wahrscheinlich zu kurz, um alle Gaumen- und Sinnesfreuden einmal verkostet zu haben – schade eigentlich.

Nicht zuletzt deshalb darf man keinen Tag versäumen, das Leben zu genießen!

Gerd Wolfgang Sievers

Wissenswertes

Apfel
Er ist – aber erst seit dem Mittelalter – das Sinnbild der Verführung, weil irgendwelche Kirchenväter oder Frauenfeinde in der Frucht, wenn man sie in der Mitte aufschnitt, die Kerne in Form der weiblichen Scham erkannt haben wollten. Damit assoziierten sie dann Evas Anatomie, den das böse Luder schamlos benutzte, um den ach so braven Adam den Kopf zu verdrehen und seine Schlange in ihre Höhle zu „entführen“! Und damit begann dann der ganze menschliche Schlamassel, denn wir wurden aus dem Paradies vertrieben. Also müssen wir uns ein neues schaffen, ein guter Anfang wäre hierfür ein kräftiger Schluck Apfel-Most, Cidre oder Calvados – denn den Schnaps hat bekanntlich der Teufel gemacht und da wir weder „Pech noch Schwefel fürchten“, dürfen uns diese Genüsse schadlos aufmuntern.

Auster
Die Austern sind die Königinnen der aphrodisischen Genüsse, werden aber leider immer wieder fälschlicher Weise mit Champagner geschlürft. Viel besser schmecken sie mit Zitronensaft und einem Glas Chablis! Das Fleisch der Austern muss absolut frisch sein und nach Meer duften, außerdem sollten sie festfleischig und saftig sein. Auch sollte beim Öffnen möglichst wenig vom eingeschlossenen Meerwasser verloren gehen. Rossini bezeichnete die Auster als den teuersten Schluck Meerwasser der Welt, während ausschweifende Romanciers seiner Zeit sie doch eher mit weiblichen Attributen und Lippenbekenntnissen verglichen... 

Basilikum
Das aromatisch-feinwürzige Kraut verbindet man seit Menschengedenken und in vielen Kulturen mit Fruchtbarkeit und Leidenschaft.

Euter
Die Schamteile von Schaf und Kuh seien ein unfehlbares Aphrodisiaka berichtete die tugendlose Messalina, die sich zahlreichen überlieferten Gerüchten zufolge in Liebesdingen aber sehr gut ausgekannt haben soll.

Gewürze
Nahezu allen Gewürzen – vor allem exotischen, teuren und wohlriechenden – wird eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt. Wahrscheinlich deshalb, weil in früheren Zeiten die Menschen aufgrund mangelnder Hygiene eher unangenehm rochen und derartige Düfte eine Wohltat für die Nase waren. Tatsächlich können aber gewisse Gewürze stimulierend und anregend wirken, z.B. Muskatnuss, Nelke, Zimt und Safran.

Gurke
Das einzig erotische an dieser Frucht ist wohl ihre Form!

Gerd Wolfgang Sievers

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ARCHIV

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>>> Traditionelle oder exotische Genüsse?
>>> Gulasch oder Döner?

Kaum vorstellbar ist der nahezu unendliche Reichtum an regionaltypischen Delikatessen, die Österreich zu einem Mekka für Genießer werden lassen.

Mit dem Buch soll erstmals ein Überblick über den kulinarischen Reichtum Österreichs geschaffen werden. Um ein gesamtkulinarisches Bild zu vermitteln, werden mit diesem Buch erstmals Rezepte, Gasthäuser und Restaurants, Lebens­mit- tel-Produzenten, Landwirte und Winzer gemeinsam in einem Werk vorgestellt.

Selbstverständlich ist auch dem Wiener Naschmarkt ein eigenes Kapitel im Buch gewidmet.

Damit das Bild möglichst vollständig abgerundet wird, hat Gerd Wolfgang Sievers die einfachen Rezepte aus der ursprünglichen Bauernküche genauso ins Buch aufgenommen wie jene der Hausmannskost oder der bürgerlichen Wirtshausküche, nicht zu vergessen die Gerichte aus der k.u.k. Monarchie und die Küchen-Kreationen der modernen Gourmettempel.

Sievers ist mit „Genussland Österreich“ ein umfassendes Standardwerk gelungen, in dem auf 544 Seiten alle neun Bundesländer behandelt werden.

Gerd Wolfgang Sievers
Genussland Österreich
Stocker Verlag, Hardcover, 544 Seiten € 39,90

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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