DAS INTERVIEW

 

Nachdem DR. FALAFEL beschlossen hatte, Samarkand zu verlassen, ging er zuerst nach Israel und reiste danach mit dem Rucksack durch Europa. Am schönsten erschien ihm jedoch Wien, wo er sich niederließ.

Trotz seiner Ausbildung als Zahntechniker – Blut kann er aber nicht sehen – erfüllte er sich seinen Traum von einer beruflichen Tätigkeit im Freien, bei der er mit möglichst vielen Menschen plaudern und lachen kann.

 

Der Naschmarkt: Zu Beginn eine provokative Frage: Warum arbeiten soviele Emigranten am Naschmarkt?

DR. FALAFEL: Es ist eine sehr anstrengende Tätigkeit mit 12-16 Arbeitsstunden pro Tag und das sechs Tage die Woche, ohne Urlaub. Wenn nicht die gesamte Familie mitarbeiten würde, würden wir uns außer zur Schlafenszeit nicht sehen. Für die meisten Österreicher ist das zu anstrengend und zu wenig lukrativ.

Der Naschmarkt: Warum haben Sie sich für diese Produktauswahl entschieden?

DR. FALAFEL: Die Österreicher lieben das Besondere und haben Falafel und die meisten Aufstriche schon im Urlaub genascht. Bei mir soll dieses Urlaubsgefühl wieder erwachen. Die Produkte, die Gerüche und die Art der Geschäftsabwicklung erinnern an die schönste Zeit im Jahr.

Der Naschmarkt: Werden Ihre Aufstriche selbst produziert?

DR. FALAFEL: Teilweise – im Verhältnis 1:4 – werden sie selber produziert, meist jedoch kommen sie aus ausgewählten kleineren Fabriken.

Der Naschmarkt: Ich lese hier: „Partyservice – mach es selbst!“ Machen Sie sich über ihre Kunden lustig?

DR. FALAFEL (schmunzelnd): Ich erreiche genau das, was ich auch bei ihnen erreicht habe. Die Kunden lesen, stutzen und fragen mich dann, was das soll. Dann sage ich ihnen, dass sie bei mir den besten europäischen Falafel mit köstlichen Aufstrichen, Antipasti, Öle, Weine und vieles mehr erhalten. Und wenn sie eine größere Bestellung tätigen wollen, auch einen anderen Preis als für kleinere Mengen erhalten.

Der Naschmarkt: Falafel, Houmus, Tahina? Können Sie unseren Lesern erklären, was sich hinter diesen Wörtern verbirgt?

DR. FALAFEL: Ja, gerne. Falafel sind frittierte Bällchen aus pürierten Kichererbsen, Kräutern (wie Petersilie, Koriander) und Gewürzen. Meine Familie produziert sie nach einem alten Geheimrezept direkt am Naschmarkt und liefert sie sogar an die UNO. Falafel sind vegetarisch und auch für Veganer geeignet. Dazu gereicht wird Tahina, eine Paste aus Sesamkörnern und Houmus, der aus gekochten und pürierten Kichererbsen und Gewürzen besteht.

Der Naschmarkt: Ich danke für das Gespräch und den köstlichen Vorspeisenteller, den ich am liebsten abgeschleckt hätte.

DR. FALAFEL (wieder schmunzelnd): Dann machen Sie es doch und hier noch ein paar Kleinigkeiten für die Reise ins Büro.

DR. FALAFEL
Emanuel Yagudayev
Falafel, Aufstriche, Antipasti, Öle, Weine
Naschmarkt Stand 515
0676 844 35 02 00
www.dr-falafel.at

 

ARCHIV

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Wissenswertes

DR. FALAFEL stammt aus Samarkand, eine der ältesten Städte der Welt, gegründet im fünften vorchristlichen Jahrhundert. Ihre Blütezeit verdankt die Stadt aus „Tausendundeiner Nacht“ den Eroberungszügen des Feldherrn Timur, der seinen Herrschaftsbereich vom Ganges bis zum Mittelmeer ausdehnte. Samarkand war das Zentrum dieses Weltreichs. Timur ließ Städte zerstören und die Bevölkerung töten. Die besten Handwerker und Künstler jedoch verschleppte er nach Samarkand. Sie schufen im 14. Jhdt. jene atemberaubende Architektur, die Samarkands Ruf  „als schönste Stadt der Welt“ begründete. Samarkand entwickelte sich zum Umschlagplatz für Gewürze an der Großen Seidenstraße. Hier kreuzten sich Waren und Kulturen, hier wurden Güter aus Persien, Indien, der arabischen Halbinsel und China umgeschlagen.

Die bucharischen Juden zogen über Persien nach Zentralasien, wo sie sich im Gebiet zwischen dem heutigen Kasachstan und Tadschikistan niederließen. Den Namen erhielten sie durch die Emire von Buchara, deren Reich um 1600 entstand. Sie gelten als eine der ältesten ethnischen Gruppen in Zentralasien. Trotz aller Erschwernisse stellten die Bucharin während der Sowjetära einen beachtlichen Teil der lokalen Lehrer, Ärzte, Juristen, Wissenschaftler und Wirtschaftsfachleute.

Die ersten bucharischen Familien verließen in den 1970er Jahren die Sowjetunion und kamen nach Wien. Sie mussten große Hindernisse überwinden und trotz aller Widrigkeiten gelang es ihnen, Schritt für Schritt die meisten Integrationsprobleme zu bewältigen. Seit den 1980er Jahren arbeiten die ersten Verwandten von Dr. Falafel am Wiener Naschmarkt.

 

 

 

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