Warum kann der Naschmarkt "Heimat" sein?

Der Wiener Naschmarkt ist ein „Kleinod“, eine eigene Welt mitten in der Großstadt. Hier funktioniert – bis auf Kleinigkeiten – die Zusammenarbeit und das Zusammenleben diverser Nationalitäten mit unterschiedlichsten Sprachen und Religionen.

Warum eigentlich?

Die Standler und Lokalbetreiber sind nicht nur hier, um Geld zu verdienen, sondern lieben und schätzen die Atmosphäre, die Vielfalt und das Flair auf diesem Fleckchen Wien. Sie arbeiten oft bis zu 80 Stunden in der Woche und sind dennoch glücklich hier zu sein.

Man hilft sich gegenseitig, kauft manchmal gemeinsam ein, spricht mehrere Sprachen und kann daher auch Landsleute und Touristen gut bedienen. Durch diese Vielfalt sind heute Lebens- und Genussmittel am Naschmarkt erhältlich, die vor 10 Jahren noch unvorstellbar waren – eine wahre Bereicherung für Wien und die Bevölkerung.

Für mich ist der Naschmarkt nicht nur durch diese Vielfalt „Heimat“, sondern auch durch die vielen Freunde, die ich hier (seit 1979 gehe ich zum Naschmarkt einkaufen) kennenlernen durfte, sie setzen sich aus Standlern, Bauern vom Bauernmarkt, Kunden und Lokalbetreiber (und deren Stammkunden) zusammen.

Es ist für mich zu keiner Zeit (außer Sonntag, da ist leider alles geschlossen) möglich, durch den Naschmarkt zu gehen und keine Freunde oder Bekannte zu treffen – man tratscht, trinkt ein Glas zusammen – weitere Bekannte kommen hinzu, und ein lustiger und informativer Abend ist eingeläutet, manchmal gesellen sich auch Touristen dazu, die von der Atmosphäre des Marktes begeistert sind.

Das Klientel setzt sich aus allen Berufsgruppen zusammen, unter den Freunden des Naschmarkts treffe ich Polizisten, Rechtsanwälte, Angestellte, Beamte, Pensionisten, Selbstständige und solche, die immer auf Arbeitssuche sind – fast jede Berufsgruppe ist vertreten.

Es ist ein ungezwungenes Tratschen, jeder kommt und geht, wann er will – von Urlaubsreisen werden Schmankerln und Kostproben für die Freunde mitgenommen und am Naschmarkt verkostet. Es gibt gemeinsame Ausflüge zu Winzern, die die Lokale am Naschmarkt beliefern, erst unlängst waren 30 Naschmarktfreunde in Mannersdorf bei einem Heurigenausflug (siehe Naschmarktblicke).

Naschmarkt = Multikulti = Freunde + Freude = beste Speisen + Getränke =
gemütliches Einkaufen + Zusammensein = Heimat, mitten in Wien!

Heimat ist dort, wo man sich wohl und geborgen fühlt.
Wenn es den Naschmarkt nicht gäbe, man müsste ihn erfinden!
FCM


redaktion@wienernaschmarkt.eu


Thema
"Heimat" – Naschmarkt

>>> Religion – Hilfe oder Hemmschuh?

>>> Warum kann der Naschmarkt "Heimat" sein?