Mehr Markt

Schon immer war der Naschmarkt vom Wandel der Zeit geprägt: Auch in jüngster Vergangenheit hat er sich von einem reinen Einkaufsmarkt zu einem Ort der öffentlichen Begegnung, des Flanierens und Verweilens entwickelt.

Vielen ist der Markt noch in seiner alten Struktur in Erinnerung. Durchzugsverkehr, desolate Stände, oft auch nur als Lager verwendet, abgestellte Kisten und Müll waren bleibende Eindrücke. Es war leichter, einen Kranz für den Friedhof zu bekommen als ein Getränk mit Tisch und Sessel.

Doch langsam wurden Schritte zur Verbesserung und zur Hebung des qualitativen Angebots gesetzt. Durch die Sperre des Querverkehrs in der Faulmanngasse konnte Marktraum zurückgewonnen und mit neuen Ständen ausgestattet werden. Haushalts-, Blumen- und Kleidergeschäfte wurden renoviert und mutierten zu Lebensmittel- und Gastronomiepavillons.

Statt Nachkriegstristesse und Verwahrlosung hauchte die Gastronomie dem Markt neues Leben ein, buntes Treiben – gekoppelt mit internationaler Küche – breitete sich aus. Büroangestellte, Studenten und Touristen nahmen das Angebot freudig an.

Parkplätze, die auf einem Markt sicherlich nichts verloren haben, werden durch neue transparente Stände ersetzt und verdichten das mediterrane Flair. Waren können nicht nur gekauft, sondern auch gleich vor Ort verkostet werden.

So könnte der Naschmarkt noch lebendiger werden:

Zwar wurden die Ladenöffnungszeiten an die Umgebung angepasst, doch diese Schritte einer Marktordnungsdynamik erscheinen mir zu gering.

Zur weiteren Flexibilisierung dieses urbanen Zentrums rege ich an:

  • Die Einrichtung eines Abendmarktes, wie international üblich, z.B. am Freitag bis 22.00.
  • Einzelne Gemischtwarenhändler erhalten eine Nachtkonzession (bis 23.00).
  • Die Gastronomiesperre um 23.00 ist absurd,  Theater- und Kinobesucher werden dadurch verärgert. Eine Öffnung bis 1.00 ist angebracht.
  • Keine Sonntagsschließung der Gastronomie. Gerade zur lärmarmen Zeit könnte der Naschmarkt mit Frühstück und Brunch locken und auch die flanierenden Touristen würden es danken.
  • Die Überplattung des offenen U4-Schachtes könnte eine Erweiterung des Marktes bringen.  Für Biostände, Slow Food und Spezialprodukte aus den Bundesländern würde damit Raum geschaffen. Dem Bau eines Einkaufszentrums oder von weiteren Gastronomieständen sollte jedoch eine Absage erteilt werden.
  • Im Herbst sollte eine Planungs- und Diskussionsrunde mit allen institutionellen Vertretern neue Richtlinien erarbeiten. Eine Jury könnte dann anhand dieser Vorgaben (Mischkonzepte, Raumordnung, Qualitätskriterien) eine Vergabe von neuen Ständen durchführen.

Es ist an der Zeit, dass nicht nur die räumliche Weite des Naschmarkts bewahrt wird, sondern dieses pulsierende Zentrum Wiener Urbanität auch seinen geistigen Horizont erweitert.

Manfred Rakousky

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bilder der Jahresfeier 29. 9. 2007

ARCHIV

Diskussionen um den Naschmarkt

>>> Einleitung von Angelika Herburger

>>> Der Naschmarkt – Wiens Gesundheitsmeile

>>> Wiener Tafel

>>> pro mente