Impressionen und Z'sammg'schütts*

Erdmandeln versus Wasabinuss

Wenn man als Kunde oder Tourist über den Naschmarkt flaniert, fällt einem das schier überbordende Angebot an Trockenfrüchten, gekrönt von den allgegenwärtigen Wasabinüssen, auf. Jeder zweite, dritte Stand bietet diese gut lagerfähige Ware an. Das Angebot an frischem Obst und Gemüse hat in den letzten beiden Jahren dramatisch abgenommen, und ich persönlich reagiere schon allergisch auf Kauf- oder Kostaufforderungen der jeweiligen Händler.

Am Bauernmarkt jedoch, im Gespräch mit einer Biobäuerin, stach mir jüngst ein Körbchen mit einem Schild <Erdmandeln, bio> ins Auge. Das, was sich Erdmandeln nennt und wie kleine dunkle Kichererbsen aussieht, ist eine wilde Mini-Knolle, die in südlichen Breiten im Spätherbst geerntet und dann getrocknet wird.
Neugierig, wie ich bin, musste ich die Erdmandeln gleich verkosten, habe sie für gut befunden, gekauft und inzwischen wurden sie allen greifbaren Familienmitgliedern und Gästen aus Testgründen zur Verkostung vorgesetzt. Einhellige Meinung: „Gut, was ist das?“ Ich dann: „Meine Alternative zur Wasabinuss, ganz heimisch und bio.“

Und wie schmecken sie jetzt, die Erdnüsse: am Anfang etwas zäh, dann eröffnet sich ein feiner mandeliger Geschmack, du musst gut kauen und irgendwann ist nix mehr da.

Die Erdmandeln, Cyperus esculentus, bestehen zu mehr als 25 % aus Fett, zu etwa 30 % aus Stärke und zu 7 % aus Eiweiß. Sie enthalten viele ungesättigte Fettsäuren wie Linolsäure, Vitamin H und Rutin sowie viele Mineralstoffe. Kein Schlankmacher, aber gesund und als Knabberei durchaus verwendbar. In Spanien wird aus den Erdmandeln das Getränk Horchata de Chufa (Erdmandelmilch) hergestellt (jetzt weiß ich endlich, woraus diese ominöse horchata gemacht wird). Die Erdmandel ist ein Neophyt, also eine Pflanze, die heimische Nutzpflanzen verdrängt und sich in Holland regelrecht zur Landplage entwickelt hat.

Tja, und da wären wir mit einem Riesenschritt wieder bei den Wasabinüssen und anderem süßen Knabberzeug, dass in Unmengen am Naschmarkt angeboten wird. Diese Trockenfrüchte lassen keinen Raum für die Vielfalt, die ein Viktualienmarkt bieten könnte und sollte.

Liebe Standler, schaut Euch doch um, was es sonst noch für tolle Produkte aus Nah und Fern gibt und lasst wieder Vielfalt und Phantasie am Naschmarkt einkehren!

Barbara Neuroth

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Barbara Neuroth

Barbara Neuroths
Impressionen vom Markt

>>> Mediterraner Käse am Naschmarkt
>>> Marzipan einfach probieren
>>> Alles klar mit dem Klar?
>>> Sieh, das Gute liegt so nah
>>> Grüne Pracht für Ihr Basilikum garantiert!
>> > Granola – oder wie ich eine neue Dimension des Müslis fand
>>> Altes Brot, gutes Brot

* Wienerischer Ausdruck für Restlverwerten: Was gibts heute zu essen? Impressionen und Z’sammgschütts = Übriggebliebenes und Zusammengeleertes

 

 

 

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