Geschichte und Geschichten

Die Entstehung des Namens „Naschmarkt“
Im Jahr 1905 erhielt der vormalige Kärntnertormarkt den offiziellen Namen „Naschmarkt“, dessen Herkunft nicht eindeutig geklärt ist. Tatsache ist, dass er von der Bevölkerung zuerst mit „Aschenmarkt“ und ab etwa 1820 als „Naschmarkt“ bezeichnet worden war.
Für die Bezeichnung „Aschenmarkt“ gibt es zwei Erklärungsmuster: Sein Vorläufer war ein auf der Freyung eingerichteter Obst- und Gemüsemarkt, der vor das „fürstlich Starhembergische Freyhaus“ verlegt wurde. Hier hatte sich bereits an der Stelle einer früheren Aschen- und Müllablagerungsstätte ein kleiner Milchmarkt etabliert. Deshalb bezeichneten die Wiener vermutlich ihren neuen Markt als „Aschenmarkt“, war doch „Asch“ auch eine gängige Bezeichnung für den aus Eschenholz gefertigten Milcheimer.
Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte sich die Bezeichnung „Naschmarkt“ nach und nach durch, möglicherweise entstanden aus einer Verballhornung der alten Bezeichnung, im Hinblick auf hier erhältliche Leckereien, denen der Hauch ferner Länder anhaftete.

Vom Bordell zum Eldorado der Bobos
Das heutige Gebiet um den Naschmarkt war schon immer ein Gebiet der Lustbarkeiten. Im Mittelalter befanden sich inmitten von Weinbergen und den damals noch unregulierten Ufern der Wien zwei der drei bekannten Wiener Bordelle. Das „Vordere Frauenhaus“ und das „Hintere Frauenhaus“ etablierten sich beim Widmerthor (Burgtor), ungefähr dort, wo man heute im „Theater an der Wien“ für musikalische Unterhaltung sorgt.

Doch wie entstand der Markt? Die Stadt Wien lag im Mittelpunkt zweier wichtiger Handelsachsen, einerseits an der Route des Donaustromes und andererseits an der Bernsteinstraße, die von der Ostsee nach Italien führte. Die Wege vieler Händler mit ihren teils exotischen Produkten führten nach Wien. „Nicht nur ein Umschlagplatz für Waren ist hier entstanden, sondern auch einer für Kulturen, Ideen und Lebensweisen von Menschen aus aller Welt. (…)“* An den Ufern der ungebändigten Wien, vor den Toren der Stadt, lag eine Dorflandschaft mit Mühlen, Lehmgruben und Weingärten. Bauern verkauften an einem ehemaligen Mistplatz Milch. Obst und Gemüse brachten die Bauern, auf Wagen oder auf dem Wasserweg, bis 1774 auf die Freyung. Landeplatz war das Schanzel (zwischen Salztorbrücke und der Schwedenbrücke), sozusagen eine Art „Hafen“ Wiens. 1780 kam es zu einem Streit zwischen dem Schottenkloster und dem Wiener Magistrat. Den geistlichen Herren war der Obstmarkt ein Dorn im Auge, vielleicht auch wegen der „Stubenmädchen“, die hier ihren Geschäften nachgingen. Der Markt wurde also „ausser dem Kärtnerthor vor dem Fürstlich Starhemberg’schen Freyhause“ verlegt. Schon damals gab es die „Bratlbrater“ und die „Knödelhütten“. Dieser „Aschenmarkt“ (später Naschmarkt) wuchs rasant, denn alle landwirtschaftlichen Waren, die einst mit dem Wagen nach Wien gebracht wurden, mussten ab 1793 im Freihaus verkauft werden. Die Waren lagen meist ausgebreitet am Boden, manchmal schützte ein Schirm vor Sonne und Regen.
Zwischen 1817–1819 machte die Umgestaltung des Promenadenplatzes vor dem äußeren Burgtor und der Aufbau des neuen Burgtors die Übersiedlung der dort aufgestellten Obststände teils auf den Naschmarkt, teils auf das Schanzel notwendig. 1859 genehmigte Kaiser Franz Joseph einen Stadterweiterungsplan, der den Bau einer Markthalle vorsah. Die Wienzeile sollte ein Prachtboulevard werden, der den Karlsplatz mit Schloss Schönbrunn verbindet.
Während man „oben“ diskutierte, wie der Karlsplatz ins beste Licht zu setzen wäre, litt die Bevölkerung unter Choleraepidemien. Ausgelöst von der Wien, die in Trockenzeiten ein träges Rinnsal war, bei heftigen Regenfällen ungeheures Zerstörungspotenzial entwickelte und in die die Abwässer der umliegenden Vororte mündeten. Die Überbauung des Wienflusses (1894–1906) schaffte Abhilfe, führte aber zu architektonischen Diskussionen zwischen den Vertretern der Moderne und jenen der historistischen Architektur. Und wieder inmitten des Geschehens: der Naschmarkt.
Der Naschmarkt wuchs und wuchs, 1905 dehnte sich der Markt bis in den Resselpark aus und umfasste 36.000 Quadratmeter, auf denen 900 Stände Platz fanden.
Otto Wagners Vorschlag den Naschmarkt zu verlegen, wurde im Wiener Gemeinderat angenommen. Das bedeutete den teilweisen Abbruch bzw. den Umbau des Freihauses, die weitere Einwölbung der Wien und die Überdeckung der Stadtbahn (heute U-Bahn).
Bereits während des Ersten Weltkrieges (1916) errichtete man nach Plänen von Friedrich Jäckel neue Standbauten, die dem Markt das einheitliche Erscheinungsbild gaben, das ihn heute noch prägt.
1919 wurde der innere – ursprüngliche – Teil des Marktes aufgelassen, der Naschmarkt beschränkte sich somit auf den heutigen Standort entlang der Wienzeile.
Zwanzig Jahre später gab es neuerlich Diskussionen um eine Verlegung des Naschmarktes. Das „Neue Wiener Tagblatt“ vom 19. 11. 1937 beschäftigte sich mit der Frage eines Standortes für einen zentralen Großmarkt. Äußerer Anlass war wieder mal der Versuch, den Karlsplatz gestalterisch zu schließen. Bevor das Projekt in Angriff genommen werden konnte, marschierten deutsche Trup?pen ein. Architekt Stephan Templ recherchierte die „Arisierung” von ca. 300 Naschmarktständen, des Cafés Dobner, des Schikanederkinos auf der Margarethenstraße und der Apotheke „Am Naschmarkt” während der Nazizeit. Am 11. 4. 1945 – Wien stand unter schwerem Beschuss – wurde der Naschmarkt geplündert und viele Stände zerstört. Ab 1950 baute man den Markt langsam wieder auf.
Außerhalb der Kettenbrückengasse, am heutigen Flohmarktareal, befand sich der zentrale Großmarkt, der 1972 nach Inzersdorf übersiedelte. Übrig blieben die 147 Stände des Detailmarktes. 1976 wurde es noch einmal riskant für den Naschmarkt: Die Stadtregierung erwog den pulsierenden und chaotischen Naschmarkt in eine Halle zu verlegen und die Westautobahn bis zum Karlsplatz zu verlängern – massive Proteste vereitelten diesen Plan. 1977 führte die Verlegung des Flohmarktes „Am Hof“ (1. Bezirk) auf die ehemalige „Großmarktfläche“ des Naschmarktes bei der U-Bahnstation Kettenbrückengasse samstags zu einer starken Belebung des Marktgeschehens.
Nach einer Generalsanierung von 1993–1998 blieb die ursprüngliche Bausubstanz des Marktes erhalten. Es wurden alle Flachdächer erneuert (verzinkte Blecheindeckung), alle Stützen neu fundamentiert und für Teile des Naschmarktes wurden Wasserleitungen mit elektrischen Begleitheizungen installiert.

Naschmarkt-Diskussionen ranken sich heute nicht mehr um eine mögliche Verlegung oder um eine Architektur-Richtung, sondern darum, ob zuwenig Obst und Gemüse verkauft wird, oder ob es nicht bereits zuviel Gastronomie am Markt gibt. Eines aber ist gewiss, der Markt pulsiert und lebt seit über 200 Jahren.

Der Naschmarkt – heute mit nur noch ca. 20.000 Quadratmetern, 580 m Länge und ca. 110 Unternehmen – ist der wichtigste Detailmarkt Wiens.

* Michael Lynn: Der Wiener Naschmarkt

>>> Alt-Wiener Ausdrücke
Sammlung Andreas Weber

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Naschmarkt-Lied
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>>> Schiff ahoi bei der Stubenbrücke
>>> "Der Naschmarkt" erscheint
>>> Die Entstehung des Namens "Naschmarkt"

 

 

 

 

 

Ein „Dirndl“ für Wien

Sie kennen sicher die Linzer Goldhauben oder die Trachten der Wachau.

Wien hatte als einziges Bundesland keine eigene Tracht.

Das Wiener Dirndl wurde farblich den historischen Vorlagen der Grinzinger, Sieveringer und Döblinger Tracht nachempfunden.

Die Tracht symbolisiert quasi die Produkte der Wiener Landwirtschaft: Gold für Getreide, Rot für Wein und Blau für sauberes Wasser.

Im Original zu sehen ist es in der Landwirtschaftskammer Wien während der Dienstzeiten.

LK Wien
6.; Gumpendorfer Straße 15
Tel. (+43 1) 58 79 528
www.lk-wien.at

 

 

 

 

 

 

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