Teezubereitung für ungebetene Gäste

Einer der größten Fehler, den Sie im Umgang mit ungebetenen Gästen begehen können, ist es, für eine allzu behagliche Atmosphäre zu sorgen. Zum Glück ist dagegen ein Kraut gewachsen! Behandeln Sie Ihren Tee schlecht und Sie werden es ihm danken. Getreu dem Motto „Warum günstig, wenn’s auch billig geht“ greifen Sie bei Schleuderpreisen hemmungslos zu. Kaufen Sie ihn kiloweise, so haben Sie jahrelang etwas davon. Und ganz wichtig: Meiden Sie bloß Fachgeschäfte! Die Gefahr, ob der Fülle des Angebots einen nuancenreichen Blatt-Tee zu erstehen, ist einfach zu groß. Ein Wort zur Lagerung: Tee liebt Geselligkeit und neigt zur Verbrüderung. Gönnen Sie ihm also die Nachbarschaft von stark duftenden Kräutertees und kräftigen Gewürzen. Das wird Ihren künftigen Aufgüssen eine interessante Note verleihen. Ein grober Fehler wäre es auch, den Tee in lichtgeschützten Gläsern oder verschließbaren Blechdosen aufzubewahren, das Aroma bliebe viel zu lange erhalten.

Legen Sie großes Augenmerk auf die Auswahl des Wassers: Bevorzugen Sie hartes, chlorhaltiges Wasser, reich an Kalk- und Magnesiumsalzen. Haben Sie einen Wasserfilter oder stilles Mineralwasser im Haus, sorgen Sie dafür, dass es Ihre Gäste nicht erfahren. Das Wasser darf auch ruhig schon abgestanden sein oder direkt aus der Warmwasserleitung kommen, dann enthält es weniger Luftsauerstoff. Damit wird der Tee so, wie wir ihn benötigen: fad und leblos. Die Teekanne darf aus Keramik, Porzellan oder Glas sein, das ist unerheblich; wichtig ist nur, dass sie regelmäßig und gründlich mit Spülmittel ausgewaschen wird. Und völlig kontraproduktiv wäre auch das Vorwärmen der Kanne. Sie wissen es ja, das Aroma! Zur geschmacklichen Entfaltung benötigt Tee Platz; deshalb quetschen Sie ihn in ein Tee-Ei oder ein ähnlich enges Gebilde. Nun schütten wir fast lauwarmes, ja nicht kochendes Wasser über den Tee. An diesem Punkt ist ein kleiner Einschub vonnöten: Bei der Wassertemperatur haben schwarzer und grüner Tee unterschiedliche Ansprüche. Während es dem Schwarztee nicht heiß genug sein kann, kommt grüner Tee bei rund 70 °C am besten zur Entfaltung. Für alle, die kein Thermometer zur Hand haben, ein kleiner Tipp: Sprudelnd gekochtes Wasser ungefähr fünf Minuten abkühlen lassen.

Die Ziehzeit hängt stark von der Sorte ab. Beim Schwarztee gilt die Faustregel: zwischen drei und fünf Minuten. Fragen Sie Ihren Teehändler nicht danach und lesen Sie keinesfalls den Packungsaufdruck. In anderen Lebensbereichen machen wir das ja auch nicht. Grob gesprochen, schmeckt zu früh abgeseihter Tee fad, während zu lang gezogener recht bitter wird. Ich überlasse es Ihrem Temperament. Zum Schluss noch diese alte chinesische Weisheit als Bestätigung für Ihr Tun: „Drei Dinge auf dieser Welt sind höchst bedauernswert: das Verderben bester Jugend durch falsche Erziehung, das Schänden bester Bilder durch gemeines Angaffen und die Verschwendung besten Tees durch unsachgemäße Behandlung.“

Kurzum, Auftrag ausgeführt, die ungebetenen Gäste haben sich einer weiteren Kanne durch Flucht entzogen!

Stephan Schulz

 

>> Tee – Vom grünen Blatt zum goldenen Labsal
>> Teezubereitung für ungebetene Gäste
>> Teekultur– Eine kleine Rundreise

 

>>> Tee für ungebetene Gäste
>>> Tee - eine Rundreise

Links

www.demmer.at
www.haas-haas.at
www.twinings.at www.moccaclub.com
www.teeverband.de

Alle Bilder dieser Seite:
Deutscher Teeverband e.V.
.

ARCHIV

>>> Marzipan – Verführerisches aus dem Morgenlan
>>>
Salz – das weiße Gold
>>> Der nächste bitte – Petersilie, noch ein unscheinbares Helferlein
>>> Ihr Auftritt bitte: Schnittlauch – das unscheinbare Helferlein
>>> Spargel
>>> Fisch
Es muss nicht immer Meer sein
>>> Honig
Von der Blüte auf's Brot
>>> Erdäpfel
Das Gold der Inkas

>>>
Beeren
Begehrte Früchtchen

>>>
Kokosnuss
tropische Vielfalt

>>>
Eier
die kleinen Wunderwerke
>>> Tee
vom grünen Blatt zum goldenen Labsal
>>> Schokolade
der zarte Schmelz der Sünde
>>> Der Apfel
eine paradiesische Versuchung

 

 

\n