Schokolade –
der zarte Schmelz der Sünde

Foto: H. LehmannGanz gleich, ob braun, schwarz oder weiß: Schokolade verspricht in jeder Variation Genuss und Freude. Nicht wenige behaupten, sie sei das einzig wahre Elixier gegen Liebeskummer, Stress und die Ärgernisse des Alltags. Auch sind sich Botaniker und Genießer einig: Schokolade ist göttlichen Ursprungs. Wie das? Schokolade wird aus den Früchten des tropischen Kakaobaumes gewonnen, der unter dem wissenschaftlichen Namen „Theobroma cacao“ bekannt ist. Und Theobroma bedeutet nichts anderes als „Speise der Götter“. Mehr als ein guter Grund, sich dem kleinen Glück im Stanniolpapier zuzuwenden. Die Geschichte der Schokolade reicht weit zurück: Den Beginn machten die Olmeken, die im heutigen Mexiko beheimatet waren und von denen wir trotz der schwierigen Quellenlage vermuten dürfen, dass sie bereits 1000 v. Chr. Schokolade tranken und dem „cacao“ seinen Namen gaben. Schon deutlich mehr wissen wir über die Maya-Kultur, anders als heute wurde Kakao ausschließlich in flüssiger Form und ungesüßt genossen. Schokoladekunstwerk von Gerhard Petzl

Wie für die Maya hatte der Kakao auch für die Azteken ab 1200 n. Chr. große kultische, kulinarische und nicht zuletzt finanzielle Bedeutung, wie etwa eine zeitgenössische „Preisliste“ verdeutlicht: Für eine Bohne erhielt man eine große Tomate, ein in Maisblättern gehüllter Fisch belief sich auf drei Bohnen,  für einen Hasen mussten immerhin 100 Stück aufgebracht werden. Den Namen „Schokolade“ verdanken wir den Azteken und (indirekt) den Spaniern, die das einheimische „xocolatl“ (bitteres Wasser) zu „chocolate“ verballhornten. Zwischen Europa und der Kakaobohne herrschte keine Liebe auf den ersten Schluck: Der bittere Geschmack des Getränks stieß die Spanier zunächst ab. Erst als Rohrzucker und Gewürze wie Pfeffer und Zimt hinzugefügt wurden, erfreute sich die Schokolade rasch wachsender Beliebtheit.

Ab dem 17. Jahrhunderts trat das Getränk, ausgehend vom spanischen Königshof, seinen Siegeszug in Europa an. An vielen Orten entstanden Schokoladenhäuser, in denen sich die Reichen und Schönen ihr Stelldichein gaben. Bevor sich die Schokolade jedoch endgültig in Europa durchsetzen konnte, mussten in katholischen Ländern wie Spanien, Frankreich oder Italien die Bedenken der Kirche ausgeräumt werden. Diese drehten sich um die Frage, ob die nahrhafte Schokolade ein Getränk oder vielleicht doch eine Speise sei. Zur „Getränkefraktion“ – d. h. in der Fastenzeit erlaubt – zählten die Jesuiten, die nebenbei gesagt einen schwunghaften Handel mit Kakaobohnen betrieben, während die sittenstrengen und sich mit den Jesuiten konkurrierenden Dominikaner die Gegenmeinung unterstützten. Die „Getränkefraktion“ setzte sich schließlich durch. Ein wichtiger Entwicklungsschritt zur Schokolade, wie wir sie heute kennen, wurde um 1700 in England gesetzt, als man damit begann den Kakao mit Milch zu vermengen. Dennoch: Das Getränk sollte bis ins 19. Jahrhundert ein Luxusartikel bleiben.

Von der Rarität zum Massenprodukt

Viele Jahrhunderte war die Schokolade nur als Getränk gebräuchlich, im 18. und 19. Jahrhundert erfolgte ihre allmähliche Wandlung zur Speise. Voraussetzung dafür waren die technologischen Neuerungen der industriellen Revolution. Joseph Fry setzte 1789 in seiner Schokoladenfabrik in Bristol (England) erstmals eine Dampfmaschine ein, um Kakaobohnen zu mahlen. Eine zentrale Erfindung auf dem Weg zur Schokoladentafel für alle gelang dem Holländer Coenraad Johannes van Houten, der 1828 eine Methode entwickelte, mit deren Hilfe sich stark entfettetes Kakaopulver herstellen ließ. Erst dieses Pulver, das sich deutlich besser mit Flüssigkeiten vermischen ließ, machte die Herstellung kostengünstiger Schokolade – in flüssiger und fester Form – möglich. Gut zwanzig Jahre nach Van Houtens Erfindung kam die Sünde in neuer Gestalt auf die Erde: 1847 stellte die bereits erwähnte Schokoladenfabrik Fry die ersten Schokoladentafeln der Welt her, die allerdings noch recht grobkörnig waren. Die nächsten beiden Entwicklungsschritte erfolgten in einem Land, das seither untrennbar mit der Herstellung von Schokolade verbunden ist: der Schweiz. 1879 – im „Wunderjahr“ der Schweizer Schokoladenindustrie – wurde dank der Kooperation von Henri Nestlé, des Erfinders des Milchpulvers, und Daniel Peter die erste Milchschokolade auf den Markt gebracht. Im selben Jahr entwickelte Rodolphe Lindt die sogenannte Conche. Mit seiner Maschine – ihre muschelförmige Gestalt inspirierte ihn zur Namensgebung („concha“ ist die lateinische Bezeichnung für Muschel) – erhält die Schokoladenmasse ihre weiche Konsistenz, die wir als zarten Schmelz genießen dürfen.

 

Schokolade in Österreich

Foto: H. LehmannÖsterreich ist eine Schokolade-Nation: Mit der Schweiz zählen wir zu den größten Schokolade-Konsumenten der Welt. Kein Wunder also, dass Österreich reich an Schoko-Spezialitäten ist. Am bekanntesten sind ohne Frage die Sacher- und Imperial-Torte, die Erzeugnisse der Patisserie Demel und natürlich die 1890 erstmals kreierte Mozartkugel. Zu internationaler Anerkennung gelangten auch Chocolatiers wie Josef Zotter, der in seiner Manufaktur beste handgeschöpfte Schokolade in 150 verschiedenen Variationen produziert. Seit 2006 stammen sämtliche Zutaten aus biologischem Anbau und nach Möglichkeit aus fairem Handel.

Wien erlebt zur Zeit einen wahren Schokolade-Boom. In den letzten Wochen eröffneten gleich mehrere Läden, die sich den hochwertigen Kakaoprodukten verschrieben haben. So führt die neue Schokolade-Boutique „Schokov“ (7.; Siebensterngasse 20) nach eigenen Angaben rund 200 verschiedene Sorten aus 15 Ländern, darunter Rococo Chocolates, die angesagte Topmarke aus London. Seit Anfang Oktober betreibt der beliebte Schauspieler Serge Falck das LEONIDAS Chocolates & Coffée im Wiener Gasometer, in dem feinstes belgisches Konfekt angeboten wird.    Auf höchste Qualität setzt auch der Konditormeister Eduard Fruth, der in seiner „Chocolaterie Pâtisserie au Marché“ (4.; Kettenbrückengasse 20) Köstlichkeiten aus Schokolade und Marzipan anbietet.        

Von der anhaltenden Begeisterung für Schokolade zeugt auch die von 6.–8. 10. veranstaltete „Choco Vienna 2006“, die tausende Naschkatzen zum Verkosten und Staunen ins Künstlerhaus lockte. Auch wenn die meisten von uns sich für ein Naturtalent halten, Schokoladengenuss will gelernt sein: Der auf Milchschokolade trainierte Gaumen weiß oft mit dem hohen Kakaogehalt von Spitzenschokolade wenig anzufangen. So hat es sich der Wiener „Chocolate Lovers Club“ zur Aufgabe gemacht, Genusswillige mit regelmäßigen Verkostungen und Sensorikschulungen zu neuen Geschmackserlebnissen zu verhelfen.

Beherzigen Sie einfach die Philosophie von Leonidas: Schokolade ist ein Menschenrecht.

Stephan Schulz

> Rezepte

 

Die eifrigsten Schokoladenesser Jährl. (2003) Pro-Kopf-Verbrauch in kg
Schweiz            9,6
Österreich        9,4
Irland            8,8
Norwegen            8,7
Großbritannien          8,6 Deutschland            8,4
Dänemark            7,7
Belgien            7,0
Schweden            7,0
USA    5,4

Quelle: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie

 

Die größten Kakaoproduzenten Jährl. Anteil an der Weltproduktion Elfenbeinküste          38,7 % Ghana            17,8 %
Indonesien            13,2 %

Quelle: International Cacao Organization

Weihnachtsbräuche mit Schokolade
Niederlande: Handgroße Schokoladenbuchstaben werden verschenkt, die jedoch die Anfangsbuchstaben der Vornamen der Beschenkten sein müssen.

Christbaumschmuck aus Schokolade kam erst nach dem II. Weltkrieg auf. Den ersten mit Schokolade gefüllten Adventskalender gab es 1958.

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