Der nächste, bitte: Petersilie – noch ein unscheinbares Helferlein

Es vergeht kein Jahr, in dem Spargel, Trüffel und Konsorten nicht im Mittelpunkt des kulinarischen Interesses stehen, wenn ihre Saison gekommen ist – zu Recht.

Doch um wie viel ärmer wären unsere täglichen Mahlzeiten, gäbe es nicht die unscheinbaren Küchenhelferlein. Wir machen so häufig und selbstverständlich von ihnen Gebrauch, dass sie für uns fast „unsichtbar“ werden. Mit dieser kleinen Artikelserie wollen wir die kulinarischen Helferlein ein wenig ins verdiente Rampenlicht rücken. Nach dem Schnittlauch in der letzten Ausgabe befassen wir uns nun mit der Petersilie.

Die Petersilie hat viele Namen. In Österreich heißt sie meist Petersil, bekannt ist sie aber auch unter den Bezeichnungen Peter- und Steinsilge, Peterle oder einfach nur Silk. Und für die Botaniker unter uns: Ihr wissenschaftlicher Name lautet Petroselinum crispum.

Die mit vielen Namen ausgestattete Pflanze tritt uns in unterschiedlichen Erscheinungsformen entgegen: als Blatt- oder Wurzelpetersilie. Bei der Blattpetersilie, die als Gewürzkraut Verwendung findet, unterscheiden wir zwischen glatten und krausen Sorten.

Während sich die glatte Petersilie durch feineres Aroma und kräftigeren Geschmack auszeichnet, gilt die krause Petersilie (auch Französische P. genannt) als dekorativer. Die Petersilienwurzel hingegen ist ein aro- matisches Gemüse, das gerne für Suppen verwendet wird. Eine weitere Erscheinungsform sei der Vollständigkeit halber erwähnt: die sogenannte Hundspetersilie. Dieses häufig vorkommende Unkraut, auch Gartenschierling genannt, ist mit unserem Küchenkraut zwar nicht verwandt, sieht ihm aber dummerweise recht ähnlich; das ist insofern unangenehm, als die Hundspetersilie hochgiftig ist.

Seien Sie aber beruhigt, eine Geruchsprobe gibt Ihnen Gewissheit: Zerreiben Sie ein paar Blätter – am besten mit Handschuhen, da das Gift auch über die Schleimhäute aufgenommen wird. Falls Sie einen unangenehmen Geruch wahrnehmen, haben noch einmal Glück gehabt – vorausgesetzt, Sie haben nicht gekostet.

Gäbe es eine Hitliste für Gewürzkräuter in Österreich, die Petersilie würde sie anführen. Sie ist das beliebteste und meist angebaute heimische Küchenkraut.

Bei der Bezeichnung „heimisch“ dürfen wir allerdings nicht zu strenge Maßstäbe anlegen: Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet dürfte im südlichen Europa bzw. im östlichen Mittelmeerraum gelegen sein. Dass sie zu uns gelangte, verdanken wir den Römern. Im Unterschied zu den Griechen, für die die Pflanze vor allem kultischen Charakter hatte, wussten sie die Petersilie auch kulinarisch zu schätzen.

Seit dem Mittelalter wurde die Petersilie als Gewürz und als Arznei geschätzt. Ein wichtiges Einsatzgebiet als Arznei ist mit einer einzigen Redewendung umschrieben: „Die Petersilie bringt den Mann aufs Pferd und die Frau unter die Erde.“ Dazu passt auch der Umstand, dass im Mittelalter viele Straßen, die Bordelle beherbergten, den Namen „Peterlesgässchen“ trugen. Neben der potenzfördernden Wirkung erlangte die Petersilie als Abtreibungsmittel zweifelhafte Berühmtheit.

Die ätherischen Öle Apiol und Myristicin, die vor allem in den Samen enthalten sind, verursachen in bestimmter Konzentration ein Zusammenziehen der Gebärmutter, was für die ableitende Wirkung verantwortlich ist. Viel zu hohe Dosierungen führten nicht selten zum Tod der Schwangeren. Auch wenn Schwangere auch heute noch zur Mäßigung beim Genuss von Petersilie angehalten sind, gelten „normale“ Mengen als völlig harmlos.

Doch zurück zum Mittelalter: Auch im Aberglauben war die Petersilie fest verankert. Um Tod und Verderben über seinen Feind zu bringen, wurde dessen Name beim Pflücken der Petersilie geflüstert. Ob’s geholfen hat, darüber schweigen die Annalen.

Semmelknödel als Gesundheitspillen?

Die Petersilie ist wohlschmeckend und auch als optischer Aufputz macht sie einiges her. Das Küchenkraut ist aber auch überraschend gesund. Oder hätten Sie gedacht, dass die grünen Farbtupfer in Ihren Semmelknödel in der entsprechenden Dosierung krampf- und schleimlösend, harntreibend sowie menstruations- und potenzfördernd wirken?

Zu den größten Vorzügen der Petersilie zählt ihr außergewöhnlich hoher Gehalt an Vitamin C. Ein Bund Petersilie besitzt mehr von diesem lebenswichtigen Vitamin als ein halbes Kilo Orangen. Aber auch die übrigen Ingredienzien tragen ihr gesundheitliches Scherflein bei: Vitamin B1, B2, Eisen, Folsäure, Magnesium, Carotinoide, Kalzium oder Mangan. Besonders hervorzuheben ist das enthaltene Spurenelement Mangan. Es beschleunigt die Calcium-Anreicherung in den Knochen, was besonders Osteoporose-Patienten entgegenkommt, es senkt erhöhten Blutdruck, fördert die Verdauung und soll dazu beitragen, die Stimmung aufzuhellen.

Gute Laune herrscht gewiss auch bei Ihrem Gegenüber, wenn Sie beim Knoblauchgenuss mal wieder über die Strenge geschlagen haben – ein paar Petersilienblätter zerkaut und Sie sind wieder kommunikationsfähig. Auch äußerlich angewendet, weiß die Petersilie zu überzeugen: Vermischt mit Topfen (1 TL P. auf 3 TL T.) erweist sich die Petersilie als wahrer Jungbrunnen für müde Haut. Und noch ein Tipp für laue Sommernächte: Frische, auf dem Mückenstich verriebene, Petersilienblätter sorgen für Linderung.

Verwendung

Um ihr Aroma und ihre wertvollen Inhaltsstoffe zu schonen, sollte die Petersilie nicht mitgekocht werden. Geben Sie das Gewürzkraut erst zum Schluss dem Gericht bei oder erhitzen Sie dieses nur kurz.

Frisch erhalten Sie Petersilie als Schnittware oder im Topf. In einem feuchten Tuch eingeschlagen, hält sich Petersilie im Gemüsefach des Kühlschranks vier bis fünf Tage. Für die Kultivierung im Topf benötigen Sie für die Petersilie etwas Fingerspitzengefühl: Sie verlangt einen sehr hellen Standort, verträgt aber keine pralle Sonne. Sehr übel nimmt sie Staunässe – also mäßig gießen. Beim Ernten sollten Sie das „Herz“ (die neuen Blätter in der Mitte) verschonen, damit die Pflanze nicht eingeht. Deutlich unkomplizierter das Einfrieren: Nach dem Waschen hacken Sie die Petersilie und füllen Sie sie portionsweise in Gefrierbeutel, alternativ können Sie die gehackte Petersilie, mit Wasser vermischt, in der Eiswürfelschale einfrieren. Eingefrorene Küchenkräuter halten sich acht bis zehn Monate frisch.

Die Reihe „Die unscheinbaren Helferlein“ wird in der nächsten Ausgabe fortgesetzt, dann erfahren Sie mehr über das dynamische Küchenduo Salz und Pfeffer.

Klaus Ulrich Kobel

 

ARCHIV

>>> Marzipan – Verführerisches aus dem Morgenlan
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Salz – das weiße Gold
>>> Der nächste bitte – Petersilie, noch ein unscheinbares Helferlein
>>> Ihr Auftritt bitte: Schnittlauch – das unscheinbare Helferlein
>>> Spargel
>>> Fisch
Es muss nicht immer Meer sein
>>> Honig
Von der Blüte auf's Brot
>>> Erdäpfel
Das Gold der Inkas

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Beeren
Begehrte Früchtchen

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Kokosnuss
tropische Vielfalt

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Eier
die kleinen Wunderwerke
>>> Tee
vom grünen Blatt zum goldenen Labsal
>>> Schokolade
der zarte Schmelz der Sünde
>>> Der Apfel
eine paradiesische Versuchung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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