Beeren – Begehrte Früchtchen

Der Sommer hat viele Vorzüge, einer davon nennt sich Beerenobst. Ob Erd-, Him- oder Brombeere, das Füllhorn der Natur ist ab Mai prall gefüllt und verwöhnt uns mit einer schier unglaublichen Vielfalt an Formen, Farben und Geschmacksvarianten. Nicht weniger vielfältig ist die Verwendung der Beeren: Ein Klassiker als Marmelade, beliebt als Kuchenbelag und im Dessert, erfrischend als Saft, raffiniert als Sauce und natürlich roh – ein unvergleichlicher Genuss!
Foto: Rita NeumannUnd bei all der Schlemmerei, seien Sie beruhigt: Die verführerischen Früchtchen schenken Ihrer Gesundheit beerenstarke Kräfte.

Erdbeere

Nach dem Apfel ist die Erdbeere die beliebteste Obstart im deutschsprachigen Raum. Die ungekrönte „Königin der Beeren“ leitet Ende Mai den kulinarischen Reigen der heimischen Obstsorten ein. Schon der englische Botaniker William Butler (um 1600) wusste die Erdbeere gebührend zu charakterisieren: „Gewiss hätte der Schöpfer eine köstlichere Beere ersinnen können, freilich, er hat es nicht getan.“ Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen.

Die Erdbeere hat eine lange Geschichte: Walderdbeeren kannten bereits unsere Vorfahren in der Steinzeit. Walderdbeeren waren es auch, die von römischen Dichtern der Antike gepriesen und im Mittelalter auf größeren Flächen angebaut wurden. Die Beeren, die uns heute zum Naschen verführen, haben allerdings einen anderen Ursprung. Sie gehen auf eine Kreuzung zwischen Scharlach- und Chile-Erdbeere zurück, die beide auf dem amerikanischen Kontinent beheimatet sind. Die Erdbeere trägt den wissenschaftlichen Namen „Fragaria ananassa“. In Ostösterreich werden Erdbeeren oft als „Ananas“ bezeichnet, steckt da also heimlicher botanischer Sachverstand dahinter?
Erdbeeren haben wenig Kalorien und sind gleichzeitig reich an Vitaminen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen, die u.a. entzündungshemmend wirken. Sie übertreffen mit ihrem Vitamin-C-Gehalt sogar Orangen und Zitronen.Foto: Rita Neumann

 

Tipps:
Erdbeeren reifen nicht nach: Achten Sie beim Einkauf daher auf Früchte mit grünweißen Spitzen – und meiden Sie diese. Beeren mit „Weißanteil“ wurden unreif gepflückt und ähneln nur der Form nach der „Königin der Beeren“. Vollreife Früchte hingegen zeichnen sich durch ihr leuchtend rotes Fruchtfleisch und ihren aromatischen Duft aus. Ein wichtiger Indikator für Frische und Qualität sind auch die Kelchblätter: Sie sollten saftig grün sein und sich leicht herausziehen lassen. Unreife Früchte erweisen sich in diesem Punkt als sehr „anhänglich“. Die Veteranen unter den Beeren erkennen Sie dagegen an vertrockneten Kelchblättern.
Geben Sie beim Einkauf möglichst lokaler Ware den Vorzug: Abgesehen vom Umweltschutzgedanken beeinträchtigen weite Reisen das Aroma der Beeren (schon nach wenigen Stunden bemerkbar) und ihren Vitamingehalt.

Erdbeeren sind leicht verderblich und sollten innerhalb von zwei Tagen verzehrt werden – was nicht schwer fallen sollte. Achten Sie beim Einkauf darauf, dass sich in den Verkaufsschalen keine verschimmelten Beeren befinden; gerade im Sommer sind die übrigen Früchte im Nu angesteckt.

Auch das Essen der Früchte will vorbereitet sein. Geben Sie die hoffentlich vollreifen Früchte (damit es sich auch lohnt) in eine große Schüssel mit kaltem Wasser und bewegen diese vorsichtig. Danach lassen Sie die Erdbeeren auf einem Sieb abtropfen und entfernen erst ganz am Schluss die Kelchblätter. Das Aroma wird so weniger „verdünnt“.

Haben Sie die Gelegenheit, an eine größere Menge vollreifer Erdbeeren zu gelangen, greifen Sie ohne Bedenken zu. Erdbeeren lassen sich ausgezeichnet konservieren. Das Einfrieren beispielsweise ist eine vorzügliche Methode, die Erdbeersaison um bis zu zwölf Monate zu „verlängern“. Um die Früchte nicht zu beschädigen, ist es ratsam die Beeren einzeln auf einem Backblech eine Stunde „vorzufrieren“. Auf diese Weise lassen sie sich später auch leichter aus dem Gefrierbeutel nehmen. Eine andere Möglichkeit wäre es, die Beeren vor dem Einfrieren etwas zu zuckern und dann zu pürieren.

Der Klassiker unter den Konservierungsmethoden ist und bleibt die selbst gemachte Marmelade. An einem grauen Novembermorgen auf Ihre Frühstückssemmel gestrichen, glauben Sie, der Sommer kehrt zurück. Probieren Sie es aus!

Himbeere
Für Feinschmecker zählen Himbeeren zu den aromatischsten Beerenfrüchten überhaupt. Botaniker sind etwas nüchterner: Für sie gehört die Himbeere zu den Rosengewächsen – während der Blütezeit im Frühjahr gut erkennbar. Als Verbreitungsgebiet geben sie die Nordhalbkugel an und beschreiben die Pflanze als Strauch mit bis zu zwei Meter langen Ruten, die mit Stacheln besetzt sind. Der wissenschaftliche Name der Himbeere lautet Rubus idaeus, was auf die ursprüngliche Heimat – das Idagebirge auf Kreta – hinweist. Von dort gelangte die Pflanze dank der Römer auch in unsere Breiten. Heute sind mehr als 400 Himbeersorten bekannt, die jährliche Weltproduktion liegt bei geschätzten 350.000 Tonnen, wobei ein Großteil davon aus Europa stammt.
Unterschieden wird zwischen Sommer- und Herbstsorten. Gemeinsam ist die Erntemethode: Himbeeren müssen sehr sorgfältig per Hand gepflückt werden, was sich natürlich im Preis niederschlägt.
Das vorzügliche Aroma ist der Hauptgrund für den Genuss der Himbeeren, ein anderer könnten die Inhaltsstoffe sein. Die Früchte empfehlen sich durch einen hohen Gehalt an Ballaststoffen und Mineralien, vor allem Kalium, Magnesium, Mangan und Eisen. Zudem enthalten sie eine Reihe sekundärer Pflanzenstoffe mit gesundheitsfördernder Wirkung.

Tipps:
Die sehr druckempfindlichen Früchte sind auch unter besten Bedingungen nur kurze Zeit haltbar. Um einwandfreie Ware zu erkennen, hilft Ihnen das Verkaufsschälchen. Werfen Sie einen Blick auf dessen Unterseite; bei einem feuchten Boden sollten Sie Ihre Kaufentscheidung noch einmal überdenken.
Himbeeren schmecken am besten frisch. Das sollte Sie aber nicht von einer Weiterverarbeitung abhalten: Wie die meisten Beerenfrüchte lassen sich Himbeeren gut einfrieren. Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, dass ihr Aroma beim Backen kaum „leidet“.

Brombeeren
Auch die Brombeere zählt zur umfangreichen Familie der Rosengewächse. Ihr Name geht auf das althochdeutsche Wort „bramberi“ zurück, was soviel wie „Dornbeere“ bedeutet. Brombeeren wachsen wild in ganz Europa in lichten Wäldern und Hecken. Mit bis drei Meter langen, dornenbewehrten Ranken machen sie so manchen Weg unpassierbar.
Für jene, die es besonders genau wissen wollen: Wie die Himbeere ist Rubus fruticosus im streng botanischen Sinn keine Beere, sondern eine Sammelsteinfrucht, die aus zahlreichen winzigen Früchten gebildet wird. Auch für uns Laien sofort zu erkennen: Reife Beeren sind dunkelviolett bis schwarz glänzend, sehr saftreich und mit ihrem süß-säuerlichen Geschmack ein sommerlicher Genuss.
Der hohe ernährungsphysiologische Wert der Brombeere entschädigt für so manche Schramme nach einem Griff in die Dornenhecke. Ihr hoher Gehalt an Vitaminen (vor allem Vitamin A und E) und Mineralien (wie Magnesium, Eisen und Kupfer) fördern u.a. die Blutbildung, lindern Fieber und helfen bei Heiserkeit (leicht erwärmten Brombeersaft in kleinen Schlucken trinken).
Aus leicht angewelkten Blättern lässt sich ein wohlschmeckender Tee zubereiten, der blutreinigend und Blutzucker senkend wirken soll.

Tipps:
Brombeeren sind sehr druckempfindlich. Ihre dunkle Farbe macht sie darüber hinaus licht- und wärmeempfindlich, was sie sehr schnell überreif werden lässt.
Wie Erd- und Himbeeren reifen sie nicht nach und sollten so schnell wie möglich verzehrt werden.
Aus sehr reifen Beeren lässt sich eine ausgezeichnete Dessert-Sauce zubereiten. Hierfür die Früchte ohne Flüssigkeit kurz erwärmen und mit Honig abschmecken.

Foto: Rita NeumannHeidelbeere
So erstaunlich es auch klingen mag, die Kulturheidelbeere ist eine „Erfindung“ des 20. Jahrhunderts. Agrarexperten aus New Jersey (USA) gelang es erst in den 20er Jahren, aus wildwachsenden Heidelbeeren jene Sorten zu züchten, die sich für den kommerziellen Anbau im großen Stil eignen. Anders als die kleinwüchsigen Wildsorten wachsen Kulturheidelbeeren an Sträuchern, die bis zu drei Meter groß werden können. Deutlich größer sind auch die Beeren, die kaum spürbare Kerne enthalten und über festeres Fruchtfleisch verfügen. Das Fruchtfleisch von Kulturheidelbeeren hat einen weiteren Vorteil, den wohl die meisten Konsumenten zu schätzen wissen: Es färbt nicht. Also keine blauen Zähne und Lippen mehr!
Die Ernte erfolgt per Hand oder maschinell. Der größte Teil der Weltproduktion (über 90 %) stammt aus Nordamerika.
Heidelbeeren sind Apotheken auf kleinstem Raum. Sie zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an Ballaststoffen, Mineralien und Vitaminen aus. Die in der (getrockneten) Beere enthaltenen Gerbstoffe helfen gegen Durchfall. Als wahrer Tausendsassa erweist sich der blaue Farbstoff Myrtillin, der wie ein natürliches Antibiotikum bei Sommergrippen sowie leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum wirkt. Der Farbstoff ist es auch, der die Blutgefäße im Auge positiv beeinflusst, indem er sie geschmeidig hält.

Tipps:
Heidelbeeren halten sich im Kühlschrank ungefähr eine Woche frisch. Tiefgefrorene Beeren sollten Sie innerhalb von drei Monaten verwenden.
Heidelbeeren harmonieren geschmacklich mit Honig, Vanille, Zimt und Kardamon.

Stachelbeeren (in Wien: Agrasl)
Die Stachelbeere fand erstmals im 12. Jahrhundert in den Chroniken Erwähnung, ihre ursprüngliche Heimat soll in lichten Wäldern Asiens und Europas gelegen sein. Ihre Glanzzeit erlebte die Pflanze im 18. und 19. Jahrhundert auf der britischen Insel, der Heimat der meisten Zuchtsorten. Dort werden die Früchte für ihren herb-aromatischen, fruchtig-sauren Geschmack besonders geschätzt. In England tragen sie den Namen „gooseberry“ (Gänsebeere), da sie oft in Begleitung von Gänsegerichten (als Sauce oder Füllung) gereicht werden. Gooseberry ist gleichzeitig die scherzhafte Bezeichnung für eine Anstandsdame, die ähnlich stachelbewehrt die Liebenden auf Distanz hält.
Trotz ihres vorzüglichen Geschmacks zählt die Stachelbeere zu den eher seltenen „Gästen“ am Obststand. Dafür verantwortlich dürfte nicht zuletzt der hohe Ernte- und Pflegeaufwand der dornenreiche Pflanze sein.
Stachelbeeren lassen sich ausgezeichnet zu Kompott, Saucen und Säften verarbeiten. Marmeladen und Gelees gelieren dank ihres hohen Pektingehalts sehr gut.
Wie alle Beeren enthalten auch Stachelbeeren zahlreiche gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe: Viel Vitamin C, reichlich Vitamine A und B, Gerb- und Mineralstoffe sowie Fruchtsäuren.

Stephan Schulz


Tipps
Achten Sie beim Kauf auf Beeren mit vorhandenem Stielchen; zum Putzen eignet sich am besten eine Küchenschere.
Die Farbe der Beeren ist kein Indiz für die Reife: Angeboten werden grüne, gelbe oder rote Sorten.

Zum Rohessen greifen Sie am besten zu weichen Beeren, bevorzugen Sie härtere Beeren zum Einkochen oder Backen.

ARCHIV

>>> Marzipan – Verführerisches aus dem Morgenlan
>>>
Salz – das weiße Gold
>>> Der nächste bitte – Petersilie, noch ein unscheinbares Helferlein
>>> Ihr Auftritt bitte: Schnittlauch – das unscheinbare Helferlein
>>> Spargel
>>> Fisch
Es muss nicht immer Meer sein
>>> Honig
Von der Blüte auf's Brot
>>> Erdäpfel
Das Gold der Inkas

>>>
Beeren
Begehrte Früchtchen

>>>
Kokosnuss
tropische Vielfalt

>>>
Eier
die kleinen Wunderwerke
>>> Tee
vom grünen Blatt zum goldenen Labsal
>>> Schokolade
der zarte Schmelz der Sünde
>>> Der Apfel
eine paradiesische Versuchung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

\n