Der Apfel –
eine paradiesische Versuchung

Unzählige Früchte buhlen um die Gunst der Genießer, die Konkurrenz ist international und verführerisch. Und doch gibt es bei den beliebtesten Obstsorten in Österreich eine unangefochtene Nummer eins: den Apfel.
Kein schlechter Grund, sich Malus domestica, wie er sich botanisch nennt, einmal näher anzuschauen. „Malus“ ist übrigens die lateinische Bezeichnung für „böse“, was uns geradewegs zu Adam und Eva führt. Die beiden essen allerdings keinen Apfel, sondern in den Worten der Bibel die „Frucht vom Baum der Erkenntnis“. Diese Frucht wird jedoch nicht näher bezeichnet. Dabei dürfte es sich, wie Bibelforscher vermuten, um den Granatapfel gehandelt haben. Aber wir wollen ja keiner Frucht etwas Schlechtes unterstellen.

Der Apfel zählt mit einer fast zehntausendjährigen Vergangenheit zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Doch so vertraut er auch erscheinen mag, er ist keine heimische Frucht. Seine ursprüngliche Heimat liegt in Zentral- und Westasien. Eines der Ursprungsländer ist Kasachstan, dessen frühere Hauptstadt, Alma-Ata, übersetzt „Stadt der Apfelbäume“ hieß.

Die frühen Äpfel trugen ehrlicherweise den Namen Holzapfel: Wir müssen sie uns als sehr klein, recht sauer  und eben holzig vorstellen. Doch zum Glück schreckte das die frühen Gourmets nicht ab, denn bereits in der Antike gelangten die Äpfel über die alten Handelsstraßen an das Schwarze Meer, wo sie von Griechen und Römern kultiviert wurden und durch die Zuchtanstrengungen vieler Generationen ihre Süße und ihren unwiderstehlichen Wohlgeschmack erhielten.

Stellen Sie sich den antiken Apfel aber nicht als alltägliches Massenprodukt vor. Die Frucht war noch außerordentlich teuer. Überdies wurden ihr nicht selten Zauberkäfte zugesprochen, vor allem in Liebesangelegenheiten. Im antiken Griechenland warf der Heiratswillige seiner Angebetenen einen Apfel zu, fing sie ihn auf, galt dies als Zustimmung. Sie hatte also im wahrsten Sinne des Wortes „angebissen“. Apropos zuwerfen, in der griechischen Mythologie ist Eris die Göttin des Streits. Sie ist bekannt durch den goldenen Apfel der Zwietracht, den sprichwörtlichen Zankapfel. Dieses schwer verdauliche Exemplar warf sie auf einer Hochzeit, zu der sie nicht eingeladen erschien, unter die Gäste. Um diesen Apfel, der die Aufschrift „der Schönsten“ trug, wetteiferten keine Geringeren als Aphrodite, Athene und Hera. Um dem Streit ein Ende zu bereiten, sollte Paris im Auftrag von Zeus eine Entscheidung fällen, die schlussendlich auf Aphrodite fiel. Prinzipiell wahrscheinlich keine schlechte Wahl, aber durch ein paar verhängnisvolle Begleitumstände – nachzulesen bei Homer – mündete dies schließlich in den Trojanischen Krieg.

Um 100 v. Chr. fand der Apfel über die Feldzüge der Römer seinen Weg ins nördliche Europa. Schnell erlangte er auch bei den Kelten und Germanen mystische Bedeutung und stand für Schönheit, die ewige Jugend, das Leben und die Liebe.

Bis in die Neuzeit bewahrte der Apfel seinen Status als Luxusobjekt und galt als Herrschaftssymbol. Der  berühmte „Reichsapfel“ etwa zählte zu den Insignien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, der bei den Krönungszeremonien eine wichtige Rolle spielte.

Ein Luxusobjekt ist der Apfel heute zum Glück nicht mehr, ein König der Früchte ist er allemal: Der Apfel ist die wichtigste heimische Obstart, rund 28 kg pro Kopf verzehren wir jährlich. In der weltweiten „Obst-Hitliste“ steht er an der vierten Stelle – übertroffen nur von Zitrusfrüchten, Bananen und Weintrauben.

Die genaue Zahl der verschiedenen Apfelsorten ist übrigens unbekannt. Schätzungen sprechen von unglaublichen 20000, noch unglaublicher ist allerdings, dass davon nur rund 20 Sorten eine wirtschaftliche Bedeutung haben. Wenn wir gerade beim Erstaunlichen sind: Wissen Sie welches Land der größte Apfelproduzent der Welt ist – und das mit großem Abstand? Seien wir ehrlich, an China dachten wir nicht.

Sollte Sie die jahrtausendealte Tradition des Apfelgenießens noch nicht restlos überzeugt haben, hier noch ein paar „Verlockungen“:

  • Ideale Zwischenmahlzeit – Fast Food ohne Gewissensbisse
  • Der Wassergehalt von 85 % sowie  Zitronen- und Apfelsäure sorgen für Erfrischung
  • Schnelle Energie durch Frucht- und Traubenzucker
  • Verdauungsfördernde Ballaststoffe (v.a. Pektin)
  • Viele Vitamine, zahlreiche Mineralstoffe und bioaktive Substanzen, aber wenig Kalorien
  • Zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten in der Küche: als Hauptspeise, Kuchen, Saft, Marmelade, und natürlich pur
  • Abwechslung durch Sortenvielfalt
  • Umweltfreundlich verpackt – mit gesunder Schale

Beschließen wollen wir unsere Rundreise durch die Welt des Apfels mit den Worten des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe, der zu unserem liebsten Obst knapp und treffend bemerkt: „Über Rosen lässt sich dichten, in die Äpfel muss man beißen“.

Stephan Schulz

> Rezepte

 

 

 

 

 

 

 

Cox Orange
Englands berühmtester Tafelapfel, der erstmals 1830 in Erscheinung trat, zeichnet sich durch ein unvergleichliches Aroma aus. Sein grünlichgelbes bis cremefarbenes Fruchtfleich schmeckt süßfruchtig und muskatartig würzig mit einer ausgewogenen Säurenote. Neben seinen Qualitäten als Tafelobst ist der Cox Orange ein hochgeschätzter Rohstoff für Obstbrennereien. Für Freunde von Trockenobst: Sein gehaltvolles Fruchtfleisch wird auch gedörrt höchsten kulinarischen Ansprüchen gerecht.

Boskop (auch Boskoop)
Der Boskoop, der um 1850 in den Niederlanden aufkam, ist eine lange haltbare und säurebetonte Apfelsorte, die sich durch seine vielfältige Verwendbarkeit auszeichnet. Mit seinem erfrischend
säuerlichen und kräftigen Aroma ist er einer der beliebtesten Back- und Kochäpfel, der aber auch als Tafelobst und in der Safterzeugung seine Vorzüge ausspielt.

Elstar
Kräftiges, feinsäuerliches und dezent süßliches Aroma zeichnet den Elstar aus, der seit Jahren zu den Hauptsorten Europas zählt. Mit seinem ausgezeichneten Geschmack und saftig-kräftigen Fruchtfleisch empfiehlt sich der Elstar ganz besonders als Tafelapfel.

Rubinette
Rubinette ist eine Apfelsorte, die sich aufgrund ihrer Größe ganz besonders als „Kinderapfel“ oder Pausensnack eignet. Ihr Fruchtfleisch besticht durch ein intensives und süßfruchtiges Aroma. Der Rubinette-Apfel erfreut den Genießenden damit, dass er lange saftig bleibt und kaum mürbe wird.

Golden/Red Delicious
Der Golden bzw. der Red Delicious ist der meistverkaufte Tafelapfel weltweit, etwa 25 % der Weltproduktion entfallen auf ihn. Es gibt ihn in den Farben Grüngelb und Rot.

Kronprinz Rudolf
Die nach dem einstigen Thronfolger Österreich-Ungarns benannte Sorte stammt aus der Steiermark, wo sie in den 1870er Jahren erstmals gezüchtet wurde. Charakteristisch für diesen Apfel sind die eher kleinen, rotbackigen Früchte, die eine glänzende, fast poliert wirkende Schale besitzen. Das weiße Fruchtfleich ist zart und recht saftig.

Goldparmäne
Was nach Zoologie klingt, steht hier stellvertretend für all jene Apfelsorten, die sich trotz ihrer hervorragenden Eigenschaften in Gefahr befinden, allmählich in Vergessenheit zu geraten. Die Goldparmäne ist eine Spitzensorte aus dem England des 12. oder 13. Jahrhunderts. Der aus dem Erwerbsanbau fast verschwundene Apfel verfügt über ein sehr würziges, an Nuss erinnerndes Aroma.

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