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Heute ziagt da g’schupfte Ferdl schwarze Socken an …

IMAGNO/Barbara PflaumGerhard Bronner (1922–2007), die Legende des österreichischen Nachkriegskabaretts, ist im Jänner in Wien 84-jährig verstorben, nicht jedoch seine satirischen Songs wie der „Bundesbahn-Blues“, „Der Wilde mit seiner Maschin“, „Der Papa wird’s scho richt’n“, um nur einige zu nennen.
Bronner wurde 1922 als Sohn eines Tapezierers und einer Näherin im 10. „Hieb“, in Favoriten, geboren, flüchtete 1938 nach Palästina und kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg nach Wien zurück. Der Musiker, Komponist, Schriftsteller und Kabarettist übersetzte Werke von Ephraim Kishon und übertrug Musicals wie „Cabaret“ oder „My Fair Lady“ ins Wienerische. Legendär auch seine ORF-Sendungen „Schlager für Fortgeschrittene“ und „Der Gugelhupf“, den er 1978 gemeinsam mit Peter Wehle erfand. Insgesamt absolvierte Bronner 2000 Auftritte in Rundfunk und Fernsehen und nahm 60 Schallplatten auf.
Ich hatte die Ehre, Gerhard Bronner in „seiner Fledermaus“ (früher „Marietta-Bar“), in der Louise Martini und Peter Alexander ihre ersten Auftritte hatten, in der Spiegelgasse kennen zu lernen – an der Bar neben mir saßen André Heller und Marianne Mendt (er verhalf ihr mit „Die Glock’n, die 24 Stund’n läut“ zum Durchbruch). Das muss Ende der sechziger Jahre gewesen sein.
Einer der größten Erfolge Bronners war, nach eigener Aussage, seine Fassung der „Fledermaus“ für die Covent Garden Opera in London, die über TV in vielen Ländern ausgestrahlt wurde und hervorragende Kritiken erhielt. 2002 erhielt der Künstler das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien. Zum Jahreswechsel 2006/2007 gab Bronner die besten Nummern seiner jahrzehntelangen Karriere im Theater Akzent zum Besten. Es war sein letzter Auftritt, ich wär’ gern dabei gewesen.

Es waren u.a. Künstler und „Prominente“ der 1950er bis 1970er Jahre, die Pflaum für die „Wochenpresse“ fotografierte. Daneben entstanden zahlreiche Porträts von Wien und den Wienern – Zeitdokumente mit treffsicherem Witz und Charme. Barbara Pflaum. Bildchronistin der Zweiten Republik, zu sehen im Wien Museum Karlsplatz.

Bildlegende:
Das Kabarettensemble von „Blattl vor’m Mund“: (hinten von links) Helmut Qualtinger, Kurt Jaggberg, Louise Martini, Gerhard Bronner. Vorne: Carl Merz und Georg Kreisler. Intimes Theater. Photographie. 1956.
Foto: Barbara Pflaum, @ IMAGNO/ Barbara Pflaum

 

 

 

 

 

 

 

Christian Maschner

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